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September | Bevormundet

09_Kalenderblatt_September-2020Ungewollte Schwangerschaften haben Frauen Jahrhunderte lang in die Hände von Kurpfuschern und "Engelmacherinnen" getrieben. Viele Frauen bezahlten mit dem Leben.

Das Selbstbestimmungsrecht der Frauen über ihren Körper ist noch immer keine Selbstverständlichkeit. In Ländern wie den USA und Polen verschärfen sich die gesetzlichen Regelungen zum Schwangerschaftsabbruch. Auch in Deutschland dürfen Frauen nur "abtreiben", wenn sie eine Beratung in Anspruch genommen haben. Was für eine Bevormundung!

Und genau in diesem "wenn sie eine Beratung..." liegt das Problem. Denn bei diesen Richtlinien handelt es sich um Geschlechtsbevormundung. Davon gab es im Bürgerlichen Gesetzbuch noch in den Sechziger- und Siebzigerjahren einige. So wurden Frauen erst im Jahr 1969 vollständig geschäftsfähig, erst seit dem Jahr 1977 dürfen sie allein über die Aufnahme eines Arbeitsverhältnisses entscheiden.

Man unterstellte Frauen damals, sie seien zu derart gewichtigen Entscheidungen nicht in der Lage. Man fürchtete, sie könnten verantwortungslos oder fahrlässig handeln. Damals hieß es, man wolle Frauen beistehen bei solch schwierigen Lebensentscheidungen und sicherstellen, dass sie sich durch Arbeit und Haushalt nicht überlasteten. Man meinte es gut mit den Frauen. Wie heute, wenn man sie "zu ihrem eigenen Besten" erst einmal zum Beratungsgespräch schickt, bevor sie eine Entscheidung über den eigenen Körper fällen dürfen. Ganz nebenbei wird Frauen temporär ihre Mündigkeit entzogen.

"Mein Bauch gehört mir!" - Kampf in den 1970er Jahre gegen den Abtreibungsparagraphen
Die Liberalisierung, die Frauen erkämpften, hat die Zahl der Abtreibungen nicht etwa erhöht. Rund 100.000 pro Jahr sind es derzeit in Deutschland. Die Geburtenrate ist von 2006 bis 2016 um 18 Prozent gestiegen, die der Abbrüche um 18 Prozent gefallen. Deutschland hat eine der niedrigsten Abtreibungsquoten weltweit. Seit Jahren ist niemand bei diesem Eingriff gestorben. Dafür haben mehr Frauen die Möglichkeit, danach noch gesunde Kinder zu bekommen, weil sie besser operiert werden.

Dieser Fortschritt steht jetzt auf dem Spiel. In ganz Niederbayern macht nur noch ein Arzt Abbrüche, er wollte schon längst pensioniert sein. In Fulda gibt es niemanden, in Trier auch nicht, die Frauen dort fahren mehr als 100 Kilometer ins Saarland. In Bremen kommen Ärzte, die im Familienplanungszentrum operieren, tageweise aus den Niederlanden angereist. An den Universitäten wird kaum mehr gelehrt, wie man Schwangerschaften abbricht. In
Die Bewegung der Abtreibungsgegner ist international, und sie gewinnt an Macht, auch in Italien, Frankreich oder Spanien. In Ungarn haben die Lebensschützer es sogar geschafft, die Verfassung ändern zu lassen. In Deutschland wird vor allem über den Paragrafen 219a gestritten, der es Ärztinnen und Ärzten verbietet, öffentlich über Schwangerschaftsabbrüche zu informieren, etwa auf ihrer Website.

Weitere Informationen zum Thema 'Schwangerschaftsabbruch' finden Sie hier.

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München | Kampagne 'Kein Platz für sexuelle Übergriffe'

Ob-mit-oder-ohne-Wiesn
Auch wenn dieses Jahr keine Wiesn stattfinden kann: Unter dem Motto "Ob mit oder ohne Wiesn - in München ist kein Platz für sexuelle Übergriffe" ist die Aktion "Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen" gestartet. Die Kampagne sensibilisiert mit Plakaten in Stadt und Landkreis München und unter dem Hashtag #keinplatzfürsexuelleübergriffe digital auf Instagram, Facebook und Twitter dafür, dass - ganz gleich wo - kein Platz für sexuelle Belästigungen, für Nötigung oder Vergewaltigung ist. sicherewiesn.de

Neu vorgestellt

Frauenkalender-2021
Zwölf Frauen stellen wir in unserem Kalender 2021 vor. "Zwölf von uns". Frauen, die zu den Themen, unter denen Frauen leiden, die Frauen zugemutet werden, tätig sind. Zwölf Frauen, die sich besonders einsetzen, um unsere Welt gerechter zu machen. In der Politik, im Recht, in der Kirche, in der Wirtschaft.
Ein hochwertiges Geschenk für Ihre Netzwerkpartnerinnen und -partner, Rats- und Kreistagsmitglieder und andere, die Sie zum Jahreswechsel beschenken wollen, mit denen Sie sich für Frauenrechte und für Menschenrechte engagieren wollen. weiterlesen >>>

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Oktober 2020

5.10.–6.10.2020 | Fachkraft der Antidiskriminierungsberatung, Lüneburg

7.10.2020 | Fortbildung für Verwaltungsmitarbeiterinnen von Gleichstellungsbeauftragten, Hannover

7.10.2020 | Gründen als Antwort auf die VUCA-Welt - Vision, Understanding, Clarity und Agility, online

22.10.–23.10.2020 | Zeitpolitik im/in Betrieb - Atmende Lebensläufe ermöglichen!, Mülheim an der Ruhr

27.10.2020 | Genderbewusste Arbeit bei Suchtstörungen, online

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Fahne und Roll-up Banner zum 'Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen'

Fahne-gegen-Gewalt
Gemeinsam mit UN-Women hat Gleichberechtigung und Vernetzung e.V. eine Fahne konzipiert, mit der Kommunen und Organisationen auf den Anti-Gewalt-Tag und die weltweiten und lokalen Aktivitäten an diesem Tag und innerhalb der 16-Tage-Kam-pagne aufmerksam machen können. Neben der Fahne steht auch ein Roll-Up-Banner zur Verfügung, dass bei Veranstaltungen eingesetzt werden kann. Sowohl in die Fahne als auch in das Banner kann auf Wunsch das eigene Logo eingedruckt werden. weiterlesen >>>