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Existenzsichernde Erwerbstätigkeit von Müttern

Im Monitor Familienforschung 41 hat das Bundesfamilienministerium Fakten und Handlungsbedarfe zur existenzsichernden Erwerbstätigkeit von Müttern zusammengefasst. Danach wirkt sich die vereinbarkeitsorientierte Familienpolitik mit dem Ausbau der Kinderbetreuung, der Einführung von Elterngeld und Kinderzuschlag sowie allmählichen Verbesserungen in der Arbeitswelt positiv auf die Erwerbstätigkeit von Müttern aus. Damit Mütter auch nach der Familienphase ein dauerhaft existenzsicherndes Einkommen erzielen können, besteht nach wie vor Handlungsbedarf an vielen Stellen.

Die Ergebnisse des Monitor Familienforschung zeigen:

  • Das Alter des jüngsten Kindes beeinflusst nach wie vor die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit, wobei mittlerweile über die Hälfte aller Mütter ab dem dritten Lebensjahr des jüngsten Kindes wieder arbeitet.
  • Neben dem Alter beeinflusst auch die Zahl der Kinder maßgeblich die Erwerbsbeteiligung von Müttern. Lediglich rund die Hälfte der Mütter mit drei und mehr Kindern ist erwerbstätig.
  • Je besser die Ausbildung der Mütter, umso häufiger, eher und umfangreicher erfolgt ihr Wiedereinstieg in den Beruf.
  • Eine hohe Zahl insbesondere westdeutscher Mütter bleibt jedoch dauerhaft geringfügig beschäftigt mit negativen Folgen für die berufliche Entwicklung und die individuelle und familiäre Absicherung.
  • Die Qualifikation der Mütter hat einen starken Einfluss darauf hat, ob es ihnen gelingt, mittels ihrer eigenen Erwerbstätigkeit die Existenzsicherungsschwelle zu überschreiten.
  • Gut ausgebildete Frauen realisieren auch in einer Partnerschaft häufiger gleichberechtigte Erwerbskonzepte.

Um eine kurz- und langfristig existenzsichernde Erwerbstätigkeit von Müttern zu ermöglichen, besteht Handlungsbedarf:

  • Das Steuersystem sollte dahingehend angepasst werden, dass Paare zu einer partnerschaftlichen Aufteilung der Erwerbstätigkeit ermutigt und die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen weiter verringert werden. Weiterentwicklungen des Transfersystems sollten sich weiter mit der Entlastung zusätzlicher Einkommen befassen, um wirksame Anreize zur Arbeitsaufnahme beziehungsweise -ausweitung zu setzen.
  • Die Rahmenbedingungen für eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf müssen weiter verbessert sowie Betreuungsangebote insgesamt, insbesondere aber auch für Grundschulkinder, weiter ausgebaut und flexibler gestaltet werden.
  • Mütter könnten mehr erwerbstätig sein, wenn Väter mehr unbezahlte Arbeit in der Familie übernehmen. Mehr Partnerschaftlichkeit respektive mehr Väterbeteiligung bei der Kindererziehung sollte eingefordert und ermöglicht werden. Die auch im internationalen Vergleich sehr hohe Wochenarbeitszeit bei Vollzeitbeschäftigung erweist sich hier als Hemmnis. Die OECD empfiehlt Deutschland daher unter anderem, mehr Väter zur Inanspruchnahme von Elternzeit zu ermutigen beziehungsweise die zeitpolitischen Instrumente so weiterzuentwickeln, dass sie partnerschaftliche Aufgabenteilungen verstärkt anreizen.
  • Auch die Unternehmen und Sozialpartner sind gefordert, Mütter und Väter und auch Frauen und Männer vor der Familiengründung stärker durch vereinbarkeitsfördernde Maßnahmen zu unterstützen.
  • Eine existenzsichernde Erwerbstätigkeit sollte auch durch die Aufwertung sozialer Berufe sowie durch den Anspruch auf Rückkehr zu voller Erwerbstätigkeit nach einer familienbedingten Teilzeitphase gefördert werden. Durch den Rückkehranspruch könnten sich auch mehr Väter ermutigt fühlen, ihren Wunsch nach zeitweiser Arbeitszeitreduzierung zugunsten der Familie umzusetzen.

Auch eine konsequente Ausschöpfung der Regelungen des Elternzeitrechts und des neuen Teilzeit- und Befristungsgesetzes sowie eine Weiterentwicklung des Elterngelds bzw. der Partnermonate könnte die Beteiligung von Vätern in der Familie weiter stärken und so auch mehr Mütter darin unterstützen, existenzsichernd erwerbstätig zu sein.


Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): (Existenzsichernde) Erwerbstätigkeit von Müttern, Monitor Familienforschung Ausgabe 41

Weitere Informationen

Download auf der Website des BMFSFJ

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