Das Portal aus Niedersachsen für Gleichberechtigung, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte

Repräsentative Untersuchung von geflüchteten Frauen veröffentlicht

Repraesentative-Untersuchung-gefluechtete-FrauenMit dem Forschungsprojekt "Repräsentative Untersuchung von geflüchteten Frauen in unterschiedlichen Bundesländern in Deutschland" - "Study on Female Refugees" liegen erstmals Informationen direkt von geflüchteten Frauen in Deutschland vor. Etwa ein Drittel der nach Deutschland einreisenden Schutzsuchenden sind Frauen. Viele sind vor, auf der Flucht und zum Teil auch in Deutschland geschlechtsspezifischen Belastungen ausgesetzt. Was die geflüchteten Frauen erlebt haben, in welcher psychischen Verfassung sie sind und welche Sorgen und Ängste eine Integration hier möglicherweise erschweren - darüber gab es bisher kaum belastbare Informationen. Mit dem Forschungsprojekt der Charité wurden erstmals Informationen direkt von geflüchteten Frauen selbst zu ihren Fluchtgründen, Fluchtwegen, Erfahrungen vor, während und nach der Flucht sowie zu ihrer aktuellen Situation in Deutschland erhoben. Die Ergebnisse liegen nun vor.

Die Studie der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig-Krankenhaus wurde von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration gefördert. Der Abschlussbericht der Studie bildet die psychosoziale Gesundheitssituation der geflüchteten Frauen ab und gibt übergreifende Handlungsempfehlungen.

Zu den Ergebnissen der Studie erklärt die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Aydan Özo?uz: "Bund, Länder und Kommunen müssen die Zielgruppe der geflüchteten Frauen noch besser erreichen. Geflüchtete Frauen benötigen gerade bei der psychosozialen Betreuung eine umfassendere Unterstützung als das bisher geschieht. Die Frauen sind sehr motiviert und wollen sich integrieren. Darum müssen Integrationskursträger und Arbeitsagenturen mit ihren Angeboten aktiv auf die Frauen zugehen, damit sie von Sprachkursen und Berufsberatung profitieren können."

Dr. Meryam Schouler-Ocak, Projektleiterin der Studie ergänzt: "Unser großer Dank gilt den Frauen, die uns das Vertrauen entgegengebracht haben, ihre Geschichten mit uns zu teilen. Wir hoffen, dass dieses Vertrauen nicht enttäuscht wird und die hier vorgelegten Daten dazu beitragen, die Lebensbedingungen der Frauen zu verbessern."

Ausgewählte Ergebnisse der Studie:
Als Fluchtgründe werden an erster Stelle Lebensgefahr, dann Kriege, Terror, Folter genannt. Bereits an fünfter Stelle wird "Gewalt als Frau" als Anlass für die Flucht angegeben. Je nach Herkunftsland berichten zwischen 10% (Syrien) und 38% (Eritrea) der Frauen über erlebte Gewalt als Frau, dazwischen liegen Frauen aus Afghanistan mit etwa 30 %, Iran, Irak und Somalia mit mehr als 25%. Angst vor sexueller Gewalt gaben bis zu 30% der Frauen als Fluchtgrund an.

Zu den Lebensumständen in Deutschland berichten die Frauen am häufigsten über strukturelle Probleme wie mangelnde finanzielle Mittel, mangelnde Privatsphäre, bürokratische Hürden und Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche, gefolgt von Unsicherheiten in der Erziehung und Traurigkeit aufgrund von Trennung von Familienmitgliedern, psychische und gesundheitliche Belastungen. Unsicherheit hinsichtlich der Zukunft stellt ebenfalls eine signifikante Belastung dar. Die Frauen berichten zudem von spezifischen Schwierigkeiten in der Unterkunft, wie Diskriminierungen, einem respektlosen Klima, Lärmbelastungen oder Gewalterfahrungen.

Die Frauen haben verschiedene Strategien, um mit den körperlichen und seelischen Belastungen umzugehen. Dazu gehören sowohl passive Reaktionen, wie der Rückzug in die Isolation, wie auch aktive Reaktionen wie Bewegung oder Entspannung. Bei körperlichen Beschwerden gaben nur 15% der Frauen an, dass sie die Möglichkeit hätten, einen Arzt oder eine Ärztin aufzusuchen, bei seelischen Beschwerden waren dies nur 4%.
36% der Frauen berichten von einem Mangel an jeglicher professioneller Unterstützung bei medizinischen Beschwerden. Nur 16% haben Zugang zu allgemeinmedizinischer Betreuung, 10% haben Zugriff auf Medikamente und 8% verfügen über die Möglichkeit mit Psychologinnen oder Psychologen zu sprechen. Darüber hinaus berichten 6% der Frauen über einen subjektiven Bedarf an psychologischer Unterstützung, dem nicht nachgekommen wird bzw. nicht nachgekommen werden kann.
38% der Frauen haben sich als Ziel für die nächsten 5 Jahre vor allem ein Studium oder die Aufnahme einer Arbeit gesetzt. Sie wünschen sich eine gelungene Integration (25%) und Stabilität (14%) in ihrem Leben.

Zur Studie:
Für die Studie wurden im quantitativen Teil 660 Frauen befragt und 7 Fokusgruppen mit Frauen aus den Ländern Syrien, Afghanistan, Iran, Irak, Eritrea und Somalia ausgewertet.
48% der Frauen sind zwischen 17 und 29 Jahren, 29% zwischen 30 und 39 Jahren. Die meisten sind verheiratet, jede zweite hat zwei bis drei Kinder. Über 80% verfügen nur über eine elementare Schulbildung.

An der Studie waren beteiligt die Psychiatrische Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig-Krankenhaus, die J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main, die Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, die Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Nürnberg, sowie die Universitätsmedizin Rostock.

Weitere Informationen

Der Abschlussbericht zur Untersuchung kann auf der Website der Charité als pdf-Datei abgerufen werden.

<<< Zur Beitragsübersicht

München | Kampagne 'Kein Platz für sexuelle Übergriffe'

Ob-mit-oder-ohne-Wiesn
Auch wenn dieses Jahr keine Wiesn stattfinden kann: Unter dem Motto "Ob mit oder ohne Wiesn - in München ist kein Platz für sexuelle Übergriffe" ist die Aktion "Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen" gestartet. Die Kampagne sensibilisiert mit Plakaten in Stadt und Landkreis München und unter dem Hashtag #keinplatzfürsexuelleübergriffe digital auf Instagram, Facebook und Twitter dafür, dass - ganz gleich wo - kein Platz für sexuelle Belästigungen, für Nötigung oder Vergewaltigung ist. sicherewiesn.de

Neu vorgestellt

HSBN-2020
Die Handlungsorientierte Sozialberichterstattung Niedersachsen (HSBN) stellt Akteurinnen und Akteuren der Armutsbekämpfung in Land, Kommunen und Verbänden empirisches Material zur Verfügung. Der Bericht zur HSBN wird durch das Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) erstellt und vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung herausgeben. Die Berichte werden durch Anlagenberichte der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (LAG FW) zu unterschiedlichen sozialen Problemlagen ergänzt. Der Anlagenbericht 2020 nimmt das Thema Gewalt gegen Frauen in den Blick. www.sozialberichterstattung-niedersachsen.de

Termine Alle Termine >>>

Oktober 2020

22.10.2020 | Fortbildungsangebot für Fachkräfte zum Thema weibliche Genitalverstümmelung, Berlin

22.10.–23.10.2020 | Zeitpolitik im/in Betrieb - Atmende Lebensläufe ermöglichen!, Mülheim an der Ruhr

23.10.2020 | Fortbildungsangebot für Fachkräfte zum Thema weibliche Genitalverstümmelung, Berlin

27.10.2020 | Genderbewusste Arbeit bei Suchtstörungen, online

28.10.2020 | Keine sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Handlungssicherheit in Beratung, Begleitung und Prävention | Ausgebucht, Hannover

Newsletter

Monatlich erscheint unser Newsletter mit aktuellen Nachrichten, Aktionen, Veranstaltungen und Veröffentlichungen. Sie können den Newsletter kostenlos abonnieren. Hier geht es zur Anmeldung. Die letzten Ausgaben finden Sie hier als pdf-Datei zum Download.

Fahne und Roll-up Banner zum 'Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen'

Fahne-gegen-Gewalt
Gemeinsam mit UN-Women hat Gleichberechtigung und Vernetzung e.V. eine Fahne konzipiert, mit der Kommunen und Organisationen auf den Anti-Gewalt-Tag und die weltweiten und lokalen Aktivitäten an diesem Tag und innerhalb der 16-Tage-Kam-pagne aufmerksam machen können. Neben der Fahne steht auch ein Roll-Up-Banner zur Verfügung, dass bei Veranstaltungen eingesetzt werden kann. Sowohl in die Fahne als auch in das Banner kann auf Wunsch das eigene Logo eingedruckt werden. weiterlesen >>>