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Studie | Die demografische Lage der Nation

Die-demografische-Lage-der-NationDer demografische Wandel nimmt an Fahrt auf: Die Einwohnerzahl Deutschlands ist seit ihrem Höchststand 2002 um rund 800.000 gesunken. Die Belegschaften der Unternehmen altern, und die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer beginnen in diesem Jahrzehnt, ins Rentenalter einzutreten. Besonders auf regionaler Ebene treten dabei die demografischen Verwerfungen innerhalb Deutschlands immer deutlicher hervor. Rund die Hälfte aller Landkreise und kreisfreien Städte hat seit 2002 mehr als ein Prozent der Einwohner verloren - viele von ihnen, vor allem im Osten, deutlich mehr.

Doch die einst klare Trennung zwischen Ost und West schwindet: Weil in den neuen Bundesländern die Kinderzahl je Frau nach dem Tief der Nachwendezeit wieder gestiegen ist und weil mittlerweile auch viele ländliche Gebiete im Westen unter Nachwuchsmangel und der Abwanderung junger Menschen leiden, wird der demografische Wandel immer mehr zu einer Krise der peripheren ländlichen Räume. Weil sich dort die Infrastruktur weiter ausdünnt, vom Schulangebot bis zur ärztlichen Versorgung, verlieren diese Regionen weiter an Attraktivität.

Dies führt umgekehrt zu einer Renaissance der Städte, zumindest jener, die über ein attraktives Angebot an Ausbildungs- und Arbeitsplätzen verfügen. Davon profitieren insbesondere die wirtschaftsstarken Regionen im Süden und Südwesten der Republik. In der Gesamtbewertung der Studie finden sich unter den 20 Kreisen und kreisfreien Städten mit den besten Zukunftsaussichten 15 aus Bayern und drei aus Baden-Württemberg - aber mit Potsdam und Jena neuerdings auch zwei aus den neuen Bundesländern.

Am Ende der Skala in Sachen Zukunftsfähigkeit finden sich nach wie vor überwiegend Kreise aus dem Osten - vor allem aus Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Ostdeutschland bleibt damit die demografische Krisenregion. Allerdings zeigt sich an den kritischen Kandidaten im Westen, dass auch dort der Trend weiter abwärts geht: Vor allem altindustrielle Kreise im Ruhrgebiet (Gelsenkirchen, Recklinghausen, Herne), Bremerhaven und die beiden Kreise an der ehemals deutschdeutschen Grenze, Goslar und Osterode am Harz, weisen neben niedrige Kinderzahlen eine starke Überalterung sowie Abwanderung und sehr schlechte Wirtschaftsdaten auf.

Sich demografisch stabilisieren oder gar wachsen dürften in Deutschland nur noch wenige Regionen: Das sind zum einen die Metropolräume von Hamburg, Köln/Bonn, Frankfurt, Stuttgart, Berlin und München. Doch auch einige ländliche Gebiete mit kleineren Zentren und einem starken Mittelstand stehen dank einer positiven Bevölkerungsentwicklung gut da, etwa das Oldenburger Münsterland im Westen von Niedersachsen oder der Norden von Nordrhein-Westfalen.

Die wirtschaftliche Situation hat sich entgegen dem demografischen Trend über die vergangenen Jahre deutlich verbessert. Nicht nur, weil die Arbeitslosigkeit praktisch überall gesunken ist, sondern auch, weil die Beschäftigungsquoten generell, insbesondere von Frauen und älteren Personen, gestiegen sind. Mit rund 41 Millionen Beschäftigten arbeiten heute in Deutschland so viele Menschen wie nie zuvor. Diese positiven Veränderungen lassen sich als erste Antwort auf den demografischen Wandel deuten, der künftig die Zahl der Erwerbsfähigen wird sinken lassen, während die Gesellschaft gleichzeitig die Kosten der Alterung zu schultern hat.

Die Folgen des Wandels ließen sich leichter bewältigen, wenn der jetzt eingeleitete Trend anhielte. So ist die Gesellschaft nicht nur produktiver geworden, auch der Bildungsstand hat sich verbessert: Mehr Abiturienten nehmen ein Hochschulstudium auf und es verlassen deutlich weniger junge Menschen die Schule ohne Abschluss als noch vor einigen Jahren. Die Familienpolitik macht es qualifizierten berufstätigen Frauen leichter, Familie und Beruf zu vereinbaren. Nur in Sachen Zuwanderung zeigt Deutschland bisher keine Reaktion auf den demografischen Wandel und auf den künftigen Bedarf an Arbeitskräften. Gelähmt durch die Versäumnisse der Integration hat sich das Land gegen Zuwanderung nahezu abgeschottet: Vorübergehend war Deutschland sogar von einem Ein- zu einem Auswanderungsland geworden. Seit Jahren können Zuwanderer nicht mehr kompensieren, dass der Überschuss der Sterbefälle die Zahl der Neugeborenen übersteigt. Bis Mitte des Jahrhunderts dürfte sich deshalb der Bevölkerungsschwund auf mindestens zwölf Millionen summieren.

Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, kann freiwilliges Engagement helfen, die Probleme demografisch angeschlagener Regionen zu mildern. Ob Lesepatenschaft, Migrationslotsinnen und lotsen oder Altenbegleitung, das Thema freiwilliges Engagement hat Konjunktur. Der bundesweite Freiwilligensurvey zeigt, dass 2009 ein reichliches Drittel aller Bürger freiwillig engagiert war - allerding derselbe Anteil wie zehn Jahre zuvor. In den kommenden Jahren werden immer größere Jahrgänge von immer besser ausgebildeten Menschen in Rente gehen. Viele von ihnen werden gesund, aktiv und vergleichsweise wohlhabend älter. Auch ihr beruflicher Hintergrund und Lebensstil ist anders. Dies verändert auch die Formen des Engagements - weg von festen, fast unternehmensgleichen Strukturen in Vereinen und Verbänden hin zu projektbezogenem, individuellem Engagement.

In der vom Generali Zukunftsfonds geförderten Studie "Die demografische Lage der Nation - Was freiwilliges Engagement für die Regionen leistet" hat das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung die Rolle von freiwilligem Engagement in sechs deutschen Landkreisen und Städten untersucht, die vom demografischen Wandel besonders betroffen sind. Wie sich zeigt, braucht bürgerschaftliches Engagement dort bessere Rahmenbedingungen.

Die demografische Lage der Nation. Was freiwilliges Engagement für die Regionen leistet, Steffen Kröhnert, Reiner Klingholz, Florian Sievers, Thilo Großer, Kerstin Friemel, Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, 2011

Weitere Informationen

Die Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung steht zum Download unter www.berlin-institut.org zur Verfügung.

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Im Mai 2016 hat die Stadt München die Europäische Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene unterzeichnet. Für den Zeitraum 2019 bis 2021 Maßnahmen wurde eine Vielzahl von Handlungsfeldern beschlossen. Der Aktionsplan liegt nun in Broschürenform vor. weiterlesen >>>

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