Das Portal aus Niedersachsen für Gleichberechtigung, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte

EU-Gleichstellungsstrategie soll Frauen in allen Lebensbereichen bestärken

Das Jahr 2020 steht ganz im Zeichen der Gleichstellung. Das verspricht die neue EU-Gleichstellungsstrategie, die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zu Beginn ihrer Amtsperiode angekündigt hat. Zur Auftaktveranstaltung am 23. Januar 2020 kam Niedersachsens Gleichstellungsministerin Dr. Carola Reimann mit wichtigen Entscheiderinnen und Entscheidern bei der Landesvertretung in Brüssel zusammen, um aus niedersächsischer Sicht Anforderungen an die neue Strategie zu formulieren.

In ihrer Ansprache betonte Dr. Carola Reimann: "Um mehr Frauenrechte und echte Chancengleichheit von Frauen und Männern in Europa zu erzielen, brauchen wir eine eigenständige und klare Strategie auf EU-Ebene. Denn noch immer sind Frauen weder in der Politik, noch in der Wirtschaft oder Verwaltung gleichberechtigt beteiligt. Das muss sich ändern. Mit der EU-Gleichstellungsstrategie wird uns das gemeinsam gelingen."

Die EU setze sich bereits seit langer Zeit für die tatsächliche Umsetzung von Gleichstellung in allen Lebensbereichen ein. Sie sei ein wichtiger Motor, auch für Deutschland, so die Ministerin. Sie freue sich deshalb, dass ihre Ministeriumsvorgängerin und jetzige Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eine EU-Kommissarin für Gleichheit, Helena Dalli, beauftragt hat, eine EU-Gleichstellungsstrategie zu erarbeiten, um klare Verbesserungen für Frauen zu erzielen. "Ich bin überzeugt, dass der gemeinsame Austausch zwischen EU, Bund und Ländern dafür ganz entscheidende Impulse geben kann", so Dr. Carola Reimann.

Eins dieser wichtigen Impulse sei die Einführung eines Paritätsgesetzes in Deutschland und Niedersachsen. "Nur damit ist eine gleichberechtigte politische Partizipation aller Bürgerinnen und Bürger möglich. In Parlamenten als Orte der gesellschaftlichen Willensbildung müssen Frauen und Männer gleichermaßen vertreten sein. Frauen bilden schließlich die Hälfte unserer Gesellschaft", unterstrich die Ministerin. Andere europäische Länder seien bereits weiter als Deutschland: In Frankreich gibt es seit dem Jahr 2000 ein Parité-Gesetz.

Niedersachsen wolle dieses Jahr das Gleichberechtigungsgesetz für den öffentlichen Dienst novellieren. Dieses habe das Ziel, für Frauen und Männer in der öffentlichen Verwaltung die Vereinbarkeit von Erwerbs- und Familienarbeit zu fördern und zu erleichtern sowie Frauen und Männern eine gleiche Stellung in der öffentlichen Verwaltung zu verschaffen.

Trotz bislang erzielter Fortschritte gebe es noch viel zu tun, so Dr. Carola Reimann. Sie forderte: "Wir können uns als Gesellschaft nur positiv weiterentwickeln, wenn Gleichstellung in allen Lebensbereichen ankommt. Gleichstellung und gesellschaftlicher Fortschritt gehören zusammen."

Die Ministerin kritisierte darüber hinaus die Tatsache, dass beispielsweise im Berufsleben in puncto Gleichberechtigung nach wie vor dringender Handlungsbedarf bestehe. So habe Deutschland mit einer Gender Pay Gap von 21 Prozent und mit einer Gender Pension Gap von 53 Prozent eine der größten Lücken beim Gehalt und beim Alterseinkommen zwischen Frauen und Männern im europäischen Vergleich.

Eine weitere Baustelle sieht Dr. Carola Reimann im niedrigen Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Wirtschaft. "Frauen in Deutschland waren noch nie so gut ausgebildet wie heute. Und trotzdem kommen diese Frauen nur selten in den Führungsetagen an. Kompetenz und Einsatz allein reichen hier nicht aus." Um den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen, gelte deswegen seit Januar 2016 eine gesetzliche Quote von 30 Prozent für neu zu besetzende Aufsichtsratsposten in etwa 100 großen Unternehmen in Deutschland. Hier zeigte sich: Die feste Quote wirkt. In Niedersachsen konnte so der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der neun börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen um ungefähr acht Prozentpunkte auf 33 Prozent gesteigert werden.

Dort, wo sich Unternehmen selbst eine Zielgröße setzen, ist keine positive Wirkung zu sehen. "Außerdem sieht es in den Vorständen der Unternehmen für Frauen immer noch sehr schlecht aus. Der Großteil der Börsenunternehmen in Deutschland - knapp zwei Drittel - hat keine einzige Frau im Vorstand und 58 von 160 börsennotierten Unternehmen haben sich 2019 noch das Ziel gesetzt, auch weiterhin keine einzige Frau im Vorstand zu haben. Das ist nicht hinnehmbar", so Dr. Carola Reimann.

Weitere Informationen

Pressemitteilung des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, www.ms.niedersachsen.de

Zur Website der EU-Kommissarin für Gleichstellung, https://ec.europa.eu/commission/commissioners/2019-2024/dalli_en

<<< Zur Beitragsübersicht

Neue Website zu geschlechtersensibler Pädagogik

Fachkraefteportal-fuer-Genderfragen
Wie kann jedes Kind die Möglichkeit erhalten, sich als Individuum frei zu entfalten und seine eigene Identität zu entwickeln? Wie können stereotype Rollenzuweisungen bei der Erziehung von Jungen und Mädchen kritisch hinterfragt werden? Diese und weitere Fragen beantwortet die neue Website www.geschlechtersensible-paedagogik.de. Das Portal arbeitet Themen der Geschlechterpädagogik an konkreten Beispielen methodisch-didaktisch auf und zeigt Möglichkeiten, wie damit gearbeitet werden kann. Die Materialien dafür haben Jugendliche und junge Erwachsene aller Geschlechter selbst erstellt. Die neue Website ist Teil des vom Bundesfamilienministerium geförderten Projektes "meinTestgelände".

Neu vorgestellt | Aktion zum Equal Pay Day im Emsland

Emsland-EPD-Aktion
Eine nicht alltägliche Kooperation sind das emsländische Aktionsbündnis (Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis Emsland, Landfrauen, SoVD, Ev.-luth. Kirchenkreis Emsland-Bentheim, kfd, KDFB, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, Agentur für Arbeit) und die Fußballerinnen der 1. Bundesligamannschaft des SV Meppen anlässlich des Equal Pay Days (EPD) eingegangen: Das Heimspiel Anfang März gegen den VfL Wolfsburg wurde genutzt, um auf den großen Unterschied bei der Bezahlung von Sportlerinnen und Sportlern hinzuweisen. Die große Diskrepanz bei der Bezahlung im Fußballsport steht dabei exemplarisch für die Entgeltlücke in Deutschland insgesamt. Auch die Mannschaft der Herren des SV Meppen (3. Liga) hat die Aktion unterstützt. Einen kleinen Film zu dem Thema finden Sie online auf ems TV www.emstv.de/?s=equal+pay+day.

Termine Alle Termine >>>

April 2021

22.4.2021 | Boys'Day, deutschlandweit

22.4.2021 | Girls'Day, deutschlandweit

28.4.–29.4.2021 | Basisseminar für kommunale Gleichstellungsbeauftragte, Hannover

Mai 2021

1.5.2021 | Eröffnung frauenORT Paula Modersohn-Becker, Worpswede

3.5.2021 | Öffentlichkeitsarbeit mit Pfiff, Hannover / online

Newsletter

Monatlich erscheint unser Newsletter mit aktuellen Nachrichten, Aktionen, Veranstaltungen und Veröffentlichungen. Sie können den Newsletter kostenlos abonnieren. Hier geht es zur Anmeldung. Die letzten Ausgaben finden Sie hier als pdf-Datei zum Download.

Kalender 2021 | Zwölf von uns - Stefanie und Ellen Radtke

04_Kalenderblatt-April_2021
Der Kalender von Gleichberechtigung und Vernetzung e.V. 2021 stellt zwölf Frauen vor, die sich besonders einsetzen, um unsere Welt gerechter zu machen. Hier unser Beitrag für den Monat April: Mit ihrer flapsig humorvollen Art spricht Pastorin Steffi Radtke in ihrem Vlog "Anders Amen" ein Thema an, das eine Vielzahl lesbischer Paare betrifft: Ihre Frau Ellen ist im fünften Monat schwanger, Steffi will das Kind adoptieren, denn trotz der seit 2017 geltenden Ehe für alle gibt es für Zwei-Mütter-Familien in Deutschland noch immer keine Gleichstellung im Abstammungsrecht. weiterlesen >>>