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93 Prozent der deutschen NGOs noch immer von Männern dominiert

Noch immer werden 93 Prozent der großen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) überwiegend von Männern geführt. Nur drei der analysierten Organisationen haben einen angemessenen Frauenanteil in den Leitungsgremien. Die deutschen Stiftungen schneiden nicht viel besser ab: in etwa 88 Prozent haben noch immer vorwiegend Männer das Sagen.

Während der Frauenmangel in Aufsichtsräten und anderen Führungsgremien der Wirtschaft vielfach dokumentiert und kritisiert wurde, stand der gemeinnützige Sektor als Männerdomäne bisher nicht in der öffentlichen Kritik. Nun legt die Organisation FAIR SHARE of Women Leaders erstmals Zahlen vor, die belegen, dass selbst Organisationen, die sich öffentlich für Frauenrechte und soziale Gerechtigkeit stark machen, ihren Mitarbeiterinnen nicht die gleichen Aufstiegsmöglichkeiten einräumen wie Männern.

"Organisationen, die sich glaubwürdig und wirksam für eine gerechtere Welt einsetzen, sollten diese Werte auch in den eigenen Strukturen leben. Beim Thema Geschlechtergerechtigkeit klafft hier bisher eine große Lücke.", so Helene Wolf, Vorstandsvorsitzende von FAIR SHARE of Women Leaders e.V.

Von 41 untersuchten NGOs erfüllten nur drei (7,3 Prozent) die Kriterien für einen fairen Frauenanteil. Damit hinken deutsche Organisationen dramatisch den internationalen Entwicklungen hinterher: Auf internationaler Ebene haben bereits fast die Hälfte der Organisationen (48,4 Prozent) einen fairen Frauenanteil in Leitungspositionen.

In deutschen Stiftungen und Nichtregierungsorganisationen haben männliche Mitarbeiter derzeit fast sechsmal bessere Aufstiegschancen als ihre Kolleginnen. In Einzelfällen ist die Benachteiligung von Frauen sogar um ein Vielfaches höher. Damit vernachlässigt der Sektor nicht nur den größten Teil seines Talentpools (Frauen stellen fast 70 Prozent der Mitarbeiterschaft), er verstößt auch gegen das Gleichheitsgebot des Grundgesetzes.

Juliane Seifert, Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend begrüßt die neue Initiative: "Die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen betrifft alle gesellschaftlichen Bereiche. Das neue Monitoring der Frauenanteile an Führungspositionen in der Zivilgesellschaft liefert erstmals Zahlen und ist deshalb auch ein gutes Mittel, um Missverhältnisse deutlich zu machen und die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen anzugehen."

Vor diesem Hintergrund fordert FAIR SHARE alle deutschen Nichtregierungsorganisationen und Stiftungen auf:

  • sich schriftlich zu verpflichten, bis spätestens 2030 einen angemessenen Frauenanteil auf der Leitungsebene sicherzustellen und
  • jährlich über ihren Fortschritt hin zu diesem Ziel zu berichten
Sieben Organisationen haben sich diesem Ziel bisher angeschlossen. Marion Lieser, die Geschäftsführerin von Oxfam Deutschland erklärt dazu: "Wir glauben, dass ohne Geschlechtergerechtigkeit keine soziale Gerechtigkeit möglich ist. Oxfam liegt es am Herzen, auch nach innen das zu leben, was wir fordern. Daher sind wir der FAIR SHARE Initiative beigetreten und daher verpflichten wir uns selbst dazu, in den nächsten Jahren mindestens 50 Prozent aller Führungspositionen mit Frauen zu besetzen. Das ist der richtige Weg."

Weitere Informationen

Kontakt: FAIR SHARE of Women Leaders e.V., Helene Wolf, Telefon 0176-23 33 48 86, helene@fairsharewl.org, www.fairsharewl.org/deutsch

Quelle: FAIR SHARE of Women Leaders e.V., Pressemitteilung vom 03.03.2020

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