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Niedersachsen | Hebammen sollen künftig studieren

Die Ausbildung von Hebammen in Niedersachsen wird vollständig akademisiert. Alle Hebammenschülerinnen und -schüler sollen zukünftig ein Bachelorstudium aufnehmen können. Das Studium soll schrittweise an vier Hochschulstandorten nach neuen gesetzlichen Vorgaben aufgebaut werden: In Osnabrück mit der Hochschule Osnabrück, in Hannover mit der Medizinischen Hochschule Hannover, in Göttingen mit der Universitätsmedizin Göttingen und der HAWK Hildesheim/Holzminden/Göttingen sowie in Oldenburg mit der Universität Oldenburg und der Jade Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth. Bisher fand die dreijährige Ausbildung an Fachschulen statt.

"Der Fachkräftebedarf ist erheblich und die Anforderungen an die Geburtshilfe sind gestiegen. Zudem wird die Nachfrage nach Hebammen mit dem Ausscheiden der Babyboomer-Generation weiter steigen. Mit dem Studienangebot wollen wir die Nachwuchskräfte bestmöglich auf die künftigen Aufgaben vorbereiten und den Beruf zugleich attraktiver machen. Wir werden alles daran setzen, schon zum WS 2020/21 ein akademisches Studium des Hebammenwesens nach den neuen gesetzlichen Vorgaben anzubieten und die Standorte schrittweise aufzubauen", sagt der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler.

Die Studiengänge verbinden ein wissenschaftliches Studium mit längeren begleiteten Praxiszeiten, etwa in Krankenhäusern oder bei freiberuflichen Hebammen. Niedersachsen setzt damit die vom Bundesgesetzgeber auf dem Weg gebrachte Reform der Hebammenausbildung um, die nach der Verabschiedung des Gesetzentwurfs ab Januar 2020 ausschließlich einen akademischen Ausbildungsweg vorsieht. Der Bund setzt damit eine entsprechende Richtlinie der Europäischen Union um. Nach den geplanten Übergangsregeln können Interessierte noch bis Ende 2021 eine Ausbildung an Fachschulen beginnen.

In Niedersachsen soll eine Gesamtkapazität von rund 185 Studienanfängerplätzen entstehen. Davon sollen 140 Studienplätze für Hebammen neu geschaffen werden. Für diese zusätzlichen Plätze sind im Entwurf des Haushalts für 2020 Mittel in Höhe von rund 945.000 Euro eingeplant, die in den Folgejahren weiter aufwachsen sollen.

Hinzu kommen 45 Anfängerplätze, die die Hochschule Osnabrück bereits im Studiengang Midwifery anbietet. "Wir schaffen damit mehr Studienplätze, als aktuell Fachschulplätze zur Verfügung stehen", betont Thümler. Derzeit beginnen etwa 100 bis 120 Hebammenschülerinnen und Entbindungspfleger ihre Ausbildung in Niedersachsen.

Die Hebammenversorgung in Niedersachsen erfordere erhebliche Anstrengungen, so Thümler. Dies betreffe nicht nur die Kosten, sondern auch die Neukonzeption der Studiengänge durch die Hochschulen und die Suche nach Partnern für die praktische Ausbildung. "Eine große Herausforderung ist es auch, das akademische Personal für die Lehre zu gewinnen", so Thümler. Neben den Hebammen, die direkt in den Beruf gehen, würden daher später auch Absolventinnen und Absolventen aus Masterstudiengängen benötigt.

Die Akademisierung allein sei allerdings kein Allheilmittel, sagt der Minister. "Wir müssen uns ebenso um gute Arbeitsbedingungen kümmern, die zum Beispiel der Vereinbarkeit von Familie und Beruf Rechnung tragen."

Weitere Informationen

Pressemitteilung des Nds. Ministerium für Wissenschaft und Kultur vom 28.8.2019, www.mwk.niedersachsen.de

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