Das Portal aus Niedersachsen für Gleichberechtigung, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte

Demografischer Wandel und Erwerbsbeteiligung: Deutschland braucht künftig Zuwanderung

Deutschland konnte bislang den demografischen Wandel, das heißt die Alterung der Gesellschaft, durch eine höhere Erwerbsbeteiligung kompensieren. Doch in Zukunft wird das schwierig. Das geht aus einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hervor, in der die Ökonomen Karl Brenke und Marius Clemens die Erwerbsbeteiligung in Deutschland nach Geschlecht, Nationalität und Altersgruppen auf Basis amtlicher Daten näher untersucht haben. Demnach ist die Zahl der in Deutschland verfügbaren Arbeitskräfte im vergangenen Jahrzehnt gestiegen - obwohl die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner im erwerbsfähigen Alter (15 bis 74 Jahre) abnimmt.

Insbesondere die Erwerbsbeteiligung von Frauen und älteren Menschen nahm spürbar zu. Die DIW-Forscher plädieren dafür, dass gerade das Potential der Älteren nicht durch politisch motivierte Fehlanreize wie Frühverrentung oder Altersteilzeit vorzeitig verloren geht. "Die Privilegierung der Altersteilzeit bei Steuern und Abgaben ist unter dem Aspekt der Erwerbsbeteiligung kontraproduktiv", konstatiert Karl Brenke.

Auch die Zuwanderung nach Deutschland - vor allem aus der EU - hat in jüngerer Zeit einen deutlichen Effekt auf das Erwerbspersonenpotential gehabt. Inzwischen weisen die Zugewanderten aus der EU eine höhere Erwerbsbeteiligung auf als die Deutschen. "Das liegt insbesondere an der günstigen Altersstruktur der Zugezogenen aus der EU", sagt Studienautor Karl Brenke. Vor allem viele Unter-30-Jährige sind aus EU-Ländern nach Deutschland gekommen und deren Erwerbsbeteiligung ist seit 2011 gestiegen, während sie bei den jungen Deutschen im Alter von 15 bis 29 sank. Bei den Zugewanderten aus Nicht-EU-Staaten ist dagegen die Erwerbsbeteiligung deutlich geringer und in den vergangenen fünf Jahren in fast allen Altersgruppen gesunken, was auch am fehlenden Zugang zum Arbeitsmarkt bei Asylsuchenden liegt. Hinzu kommt, dass Frauen aus Drittländern eine sehr geringe Erwerbsbeteiligung vorweisen.

Die DIW-Wissenschaftler haben nicht nur die Entwicklung in den vergangenen Jahren untersucht, sondern auch durchgerechnet, wie sich demografische Einflüsse sowie eine weiter steigende Erwerbsbeteiligung auf das künftige Potential an Arbeitskräften in Deutschland auswirken kann. Die Modellrechnungen zeigen: Deutschland wird im Hinblick auf das Erwerbspersonenpotential weiterhin auf Zuwanderung angewiesen sein.

Weitere Informationen

Die Studie des DIW als pdf-Datei im DIW Wochenbericht 35/2017.

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Unsere Zukunft - Unsere Stärke | Ausstellungsdokumentation der Stadt Hildesheim

Unsere-Zukunft-unsere-Staerke_Ausstellungsdokumentation-Hildesheim_InnenIn einem Fotobuch hat die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Hildesheim die Präsentation der Ausstellung zum demografischen Wandel im Rathaus der Stadt festgehalten. Dokumentiert sind die einzelnen Banner, Veranstaltungevon Gesprächsrunden sowie Besucherinnen und Besucher. Angereichert ist das Fotobuch mit Daten zum demografischen Wandel in der Stadt Hildesheim.

Eine gute Idee, um mit wenig Geld eigene Projekte zu dokumentieren. Aus dem "machen wir mal eben" ist dann aber doch etwas mehr Aufwand geworden. Trotzdem auch zur Nachahmung zu empfehlen. Da es nur wenige Exemplare gibt, kann diesmal keine Broschüre angefordert werden. Bei Interesse gibt es aber sicherlich weitere Auskünfte in der Gleichstellungsstelle der Stadt Hildesheim.

Weitere Informationen

Kontakt
Gleichstellungsstelle der Stadt Hildesheim
Telefon (05121) 301 19 01
Gleichstellungsbeauftragte@stadt-hildesheim.de

Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie unter www.unsere-zukunft-unsere-staerke.de.

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Abschluss des Aktionsprogramms 'älter, bunter, weiblicher: WIR GESTALTEN ZUKUNFT!'

Nach sechs erfolgreichen Jahren läuft das Aktionsprogramm "älter, bunter, weiblicher - WIR GESTALTEN ZUKUNFT!" des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung zum Ende des Jahres 2016 aus. Auf einer Abschlussveranstaltung in Hannover dankte Sozialministerin Cornelia Rundt allen am Projekt beteiligten kommunalen Gleichstellungsbeauftragten für ihr großes Engagement. Almut von Woedtke, Leiterin der Vernetzungsstelle für Gleichberechtigung, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte, lobte die intensive Zusammenarbeit mit den Kommunen bei der Umsetzung der Projektideen.

Das Aktionsprogramm des Niedersächsischen Sozialministeriums in Zusammenarbeit mit den kommunalen Gleichstellungsbeauftragten hat dazu beigetragen, die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Geschlechterrollen sichtbar zu machen. Die verschiedenen Bedürfnisse von Frauen und Männern in unterschiedlichen Altersgruppen und Lebenslagen wurden zukunftsorientiert betrachtet und bewertet. Die Ergebnisse hieraus haben bereits zahlreiche Aktionen und Veränderungen in Niedersachsen in Gang gesetzt. Die Chancen sollen weiterhin genutzt werden, um Geschlechtergerechtigkeit in den Kommunen voranzubringen.

Mehr als 200 Projektanträge wurden in den Jahren 2011 bis 2016 gestellt. Gleichstellungsbeauftragte aus mehr als 80 Kommunen waren dabei, viele Projekte wurden in Kooperation mit anderen Kommunen geplant und umgesetzt. Die Vernetzungsstelle für Gleichberechtigung, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte koordinierte unter der Leitung von Heike Schmalhofer das Aktionsprogramm als Projektträgerin.

Zur Abschlussveranstaltung im Alten Rathaus begrüßte Tagungsmoderatorin Silke Gardlo Sozialministerin Cornelia Rundt sowie die aus ganz Niedersachsen angereisten Gäste.

Wie wichtig das Thema auch weiterhin bleibt, zeigte der Fachvortrag der Abschlussveranstaltung. Gabriele Zufall vom Landesamt für Statistik Niedersachsen gab darin Einblick in aktuelle Zahlen und Fakten der demografischen Entwicklung unter Geschlechteraspekten.

Ein gemeinsamer Rückblick auf gelungene Projekte und die erfolgreiche Zusammenarbeit rundete die Abschlussveranstaltung ab. Den musikalischen Rahmen gestaltete die Musikerin und Komponistin Dr. Annette Ziegenmeyer.

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Fast 60 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht | Weltbevölkerungsbericht veröffentlicht

Weltbevoelkerungsbericht-2015Mädchen und Frauen brauchen Schutz vor sexueller Gewalt und ungewollten Schwangerschaften
59,5 Millionen Menschen waren im Jahr 2014 weltweit auf der Flucht - das ist die höchste Zahl seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Und: Immer mehr Menschen brauchen humanitäre Hilfe. Im Jahr 2014 erreichte diese Zahl mit 100 Millionen Menschen ebenfalls einen Höchststand. Ein Viertel davon sind Frauen und Mädchen zwischen 15 und 49 Jahren, die einem hohen Risiko für sexuelle Gewalt, ungewollte Schwangerschaften und Menschenhandel ausgesetzt sind. Das geht aus dem UNFPA-Weltbevölkerungsbericht "Schutz für Frauen und Mädchen in Not. Eine Zukunftsagenda für eine krisengeschüttelte Welt" hervor, den die Stiftung Weltbevölkerung gemeinsam mit UNFPA vorstellte.

Zugang zu Verhütung und Gesundheitsversorgung wichtig
"Heute lebt rund eine Milliarde Menschen in Konfliktgebieten, 200 Millionen Menschen sind jedes Jahr von Naturkatastrophen betroffen", sagt Bettina Maas, Repräsentantin des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) in Mosambik. "Viele von ihnen verlieren ihr Zuhause und fliehen vor Chaos und Zerstörung. Mädchen und Frauen sind in Krisensituationen besonders benachteiligt, erhalten häufig keine Hilfe und werden leicht Opfer von Gewalt. Bei humanitären Hilfsmaßnahmen müssen sie daher dringend besser geschützt und versorgt werden." Der Bericht empfiehlt unter anderem, den Zugang zu Verhütungsmöglichkeiten und die medizinische Betreuung während der Schwangerschaft und bei der Geburt zu verbessern. Zudem muss die Versorgung von Vergewaltigungsopfern und die Bereitstellung von antiretroviralen Medikamenten zur Behandlung von Aids gewährleistet werden.

Mangelnde Finanzierung
"Seit 2011 stieg der Bedarf an humanitärer Hilfe auf 19,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2014, die Finanzierung hielt jedoch nicht Schritt", betont Renate Bähr, Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung. "Trotz erhöhter Mittel für humanitäre Hilfe erreichte die Finanzierungslücke in 2014 mit 7,5 Milliarden US-Dollar einen Rekordstand. Millionen Menschen in Not erhalten somit keine oder nur unzureichende Hilfe - oft mit fatalen Folgen vor allem für Mädchen und Frauen.

Weitere Informationen

Den kompletten Weltbevölkerungsbericht, der auch die jüngsten demografischen und sozioökonomischen Daten für alle Länder und Regionen der Erde enthält, finden Sie auf der Website der Stiftung Weltbevölkerung.

Stiftung Weltbevölkerung - www.weltbevoelkerung.de

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Zukunftsforum Niedersachsen

Zukunftsforum-Niedersachsen-2014Der Niedersächsische Ministerpräsident hat im Vorfeld des Demografiekongresses im Februar 2014 in Hannover 34 Mitglieder des Demografiebeirates der Landesregierung - das "Zukunftsforum Niedersachsen" - ernannt. Die berufenen Expertinnen und Experten kommen aus Wissenschaft und Wirtschaft, von Kirchen und Religionsgruppen, Sozial-, Frauen- und Jugendverbänden und den kommunalen Spitzenverbänden und weiteren Bereichen.

Gleichberechtigung und Vernetzung e.V. war mit einem Stand auf dem Kongress vertreten und hat dort die Wanderausstellung zum Demografischen Wandel Unsere Zukunft - Unsere Stärke präsentiert.

Das Zukunftsforum Niedersachsen hat 2015 eine Sammlung von Beispielen guter Praxis für den demografischen Wandel in Niedersachsen in einer Datenbank veröffentlicht. Es handelt sich dabei sowohl um vor Ort praktizierte und bewährte Vorhaben als auch um neu initiierte Projektideen aus den Handlungsfeldern "Bildung und Mobilität im demografischen Wandel".

Weitere Informationen

Weitere Informationen und die Beispiele guter Praxis finden Sie auf der Website der Staatskanzlei.

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Demografiepolitik

DemografiepolitikIn einem Sammelband unter dem Titel "Demografiepolitik" haben die Herausgeber zahlreiche Ansätze und Problemstellungen zusammengefasst. Ziel ist es aus den Befunden, Fragen, und Problemen die Handlungsbedarfe politikfeldübergreifend aufzunehmen und zu thematisieren. Die einzelnen Aufsätze nehmen die bekannten Themen wie u.a. Bildung, Arbeit und Beschäftigung, Alternde Gesellschaft, Gleichstellungspolitische Fragen und mehr in den Blick. Mit der Sammlung dieser verschiedenen Ansätze soll aber gezeigt werden, dass der demografische Wandel eine politische Gesamtverantwortung einfordert und die bisher vorherrschende Sichtweise auf betroffene Einzelbereiche zu kurz greift.

Michael Hüther/ Gerhard Naegele (Hrsg.): Demografiepolitik. Herausforderungen und Handlungsfelder, Springer VS, Wiesbaden 2013

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Demografieportal

Eine interaktive Deutschlandkarte im Demografieportal des Bundes und der Länder stellt die regionalen Herausforderungen des Demografischen Wandels bis auf die Ebene einzelner Landkreise und kreisfreier Städte dar. Für jede Region ist der Handlungsbedarf bei der Sicherung der Daseinsvorsorge und bei der Stärkung der Wirtschaftskraft in neun Handlungsfeldern ablesbar. www.demografie-portal.de

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Demografie Atlas 'Land der demografischen Chancen'

Demografie-Atlas-Deutschland-2013Der Demografie Atlas entstand im Rahmen des von der RWTH Aachen ausgerichteten Ideenwettbewerbs "Land der demografischen Chancen". Die Publikation enthält 101 Ideen zur Lösung der demografischen Herausforderungen der Arbeitswelt.

Auch das Aktionsprogramm "älter, bunter, weiblicher - Wir gestalten Zukunft!" des Niedersächsischen Sozialministeriums wurde als gutes Beispiel für den Demografie Atlas ausgewählt. Der Demografie Atlas stellt einige weitere Projekte und Instrumente vor, die sich in besonderer Weise auf die Lebenssituation von Frauen beziehen: Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, diversitätsorientierte Personalplanung in Unternehmen, ein sächsisches Projekt zur Umstrukturierung von Kindertagesstätten zu Anlaufpunkten für alle Generationen im ländlichen Raum und ein Projekt gegen die Vereinzelung und zur Förderung alternativer Beteiligungsformen für Frauen des Frauenbüros der Stadt Münster. Das Crossmedia-Projekt "Ex-Models" setzt sich kritisch mit einseitigen Altersbildern der Mediengesellschaft auseinander und hinterfragt Klischees von Alters- und Schönheitsidealen.

Im Rahmen des Ideenwettbewerbs waren Unternehmen, wissenschaftliche Institutionen, Netzwerke, Verbände und Vereine eingeladen, ihre wirtschaftlich und gesellschaftlich relevanten Lösungen zu präsentieren. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung honorierte die Gewinnerinnen und Gewinner mit einem Preisgeld von jeweils 25.000 Euro.

Für die Suche nach Anregungen für Problemlösungen in Kommunen und Unternehmen ist das Blättern im Demografie Atlas auf jeden Fall zu empfehlen.

Jeschke/ Hees/ Vossen/ Jooß/ Schröder/ Zimmer (Hrsg.): Demografie Atlas, Deutschland - Land der demografischen Chancen, Aachen 2013

Weitere Informationen

Der Demografie Atlas kann bestellt werden bei der
RWTH Aachen
Stefan Schröder
Telefon (0241) 809 11 99
stefan.schroeder@ima-zlw-ifu.rwth-aachen.de

Weitere Informationen finden Sie unter
www.aelter-bunter-weiblicher.de
www.demografische-chance.de

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Angekommen im Wandel - Ergebnisse einer Befragung im Landkreis Rotenburg (Wümme)

Angekommen-im-WandelWie sollte sich das Leben im ländlichen Raum aus Sicht von Frauen an den demografischen Wandel anpassen? Konkrete Rückschlüsse auf Bedürfnisse, Wünsche und Herausforderungen mit Blick auf eine zukunftsgerichtete Daseinsvorsorge lässt eine Befragung von Einwohnerinnen des Landkreises Rotenburg (Wümme) zu. Die Broschüre "Angekommen im Wandel" des Landkreises analysiert die Ergebnisse.

Die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Rotenburg (Wümme), Marianne Schmidt, führte in Kooperation mit der Hochschule Niederrhein und den Kreisverbänden der Landfrauenvereine Bremervörde, Rotenburg (Wümme) und Zeven eine Fragebogenaktion durch, an der sich 1.595 Frauen beteiligten. Themenfelder wie Lebensqualität, Wohnsituation, Mobilität, Lebendigkeit und Wirksamkeit des ehrenamtlichen Engagements, aber auch die Möglichkeiten und Grenzen der Vereinbarkeit von Familie-Beruf-Pflege wurden erfasst.

Empowerment, die starke Vernetzung und der Informationsaustausch zwischen den Generationen, kann dazu beitragen, dass Frauen sich auch weiterhin in ihrer Region wohlfühlen, so die Analyse. Voraussetzung dafür sind bedarfsgerechte Angebote vor Ort, insbesondere der Ausbau der Kinder- und Seniorenbetreuung und verbesserte Beschäftigungsperspektiven für Frauen und Jugendliche.
Ziel der Auswertung ist es, eine stärkere Auseinandersetzung mit den regionalen Herausforderungen der Zukunft anzustoßen und als politische Entscheidungsgrundlage zu werten.

Die Maßnahme wurde im Rahmen des Programms "Älter, bunter, weiblicher: Wir gestalten Zukunft!" durch das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration gefördert. Projektträgerin ist die Vernetzungsstelle für Gleichberechtigung, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte.

Landkreis Rotenburg (Wümme) (Hrsg.): Angekommen im Wandel. Ergebnisse der Fragebogenaktion November 2011 - 15. Januar 2012 im Landkreis Rotenburg (Wümme), Landkreis Rotenburg (Wümme) 2012

Weitere Informationen

Die Broschüre steht auf der Website des Landkreises Rotenburg (Wümme) zum Download zur Verfügung.

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Studie | Die demografische Lage der Nation

Die-demografische-Lage-der-NationDer demografische Wandel nimmt an Fahrt auf: Die Einwohnerzahl Deutschlands ist seit ihrem Höchststand 2002 um rund 800.000 gesunken. Die Belegschaften der Unternehmen altern, und die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer beginnen in diesem Jahrzehnt, ins Rentenalter einzutreten. Besonders auf regionaler Ebene treten dabei die demografischen Verwerfungen innerhalb Deutschlands immer deutlicher hervor. Rund die Hälfte aller Landkreise und kreisfreien Städte hat seit 2002 mehr als ein Prozent der Einwohner verloren - viele von ihnen, vor allem im Osten, deutlich mehr.

Doch die einst klare Trennung zwischen Ost und West schwindet: Weil in den neuen Bundesländern die Kinderzahl je Frau nach dem Tief der Nachwendezeit wieder gestiegen ist und weil mittlerweile auch viele ländliche Gebiete im Westen unter Nachwuchsmangel und der Abwanderung junger Menschen leiden, wird der demografische Wandel immer mehr zu einer Krise der peripheren ländlichen Räume. Weil sich dort die Infrastruktur weiter ausdünnt, vom Schulangebot bis zur ärztlichen Versorgung, verlieren diese Regionen weiter an Attraktivität.

Dies führt umgekehrt zu einer Renaissance der Städte, zumindest jener, die über ein attraktives Angebot an Ausbildungs- und Arbeitsplätzen verfügen. Davon profitieren insbesondere die wirtschaftsstarken Regionen im Süden und Südwesten der Republik. In der Gesamtbewertung der Studie finden sich unter den 20 Kreisen und kreisfreien Städten mit den besten Zukunftsaussichten 15 aus Bayern und drei aus Baden-Württemberg - aber mit Potsdam und Jena neuerdings auch zwei aus den neuen Bundesländern.

Am Ende der Skala in Sachen Zukunftsfähigkeit finden sich nach wie vor überwiegend Kreise aus dem Osten - vor allem aus Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Ostdeutschland bleibt damit die demografische Krisenregion. Allerdings zeigt sich an den kritischen Kandidaten im Westen, dass auch dort der Trend weiter abwärts geht: Vor allem altindustrielle Kreise im Ruhrgebiet (Gelsenkirchen, Recklinghausen, Herne), Bremerhaven und die beiden Kreise an der ehemals deutschdeutschen Grenze, Goslar und Osterode am Harz, weisen neben niedrige Kinderzahlen eine starke Überalterung sowie Abwanderung und sehr schlechte Wirtschaftsdaten auf.

Sich demografisch stabilisieren oder gar wachsen dürften in Deutschland nur noch wenige Regionen: Das sind zum einen die Metropolräume von Hamburg, Köln/Bonn, Frankfurt, Stuttgart, Berlin und München. Doch auch einige ländliche Gebiete mit kleineren Zentren und einem starken Mittelstand stehen dank einer positiven Bevölkerungsentwicklung gut da, etwa das Oldenburger Münsterland im Westen von Niedersachsen oder der Norden von Nordrhein-Westfalen.

Die wirtschaftliche Situation hat sich entgegen dem demografischen Trend über die vergangenen Jahre deutlich verbessert. Nicht nur, weil die Arbeitslosigkeit praktisch überall gesunken ist, sondern auch, weil die Beschäftigungsquoten generell, insbesondere von Frauen und älteren Personen, gestiegen sind. Mit rund 41 Millionen Beschäftigten arbeiten heute in Deutschland so viele Menschen wie nie zuvor. Diese positiven Veränderungen lassen sich als erste Antwort auf den demografischen Wandel deuten, der künftig die Zahl der Erwerbsfähigen wird sinken lassen, während die Gesellschaft gleichzeitig die Kosten der Alterung zu schultern hat.

Die Folgen des Wandels ließen sich leichter bewältigen, wenn der jetzt eingeleitete Trend anhielte. So ist die Gesellschaft nicht nur produktiver geworden, auch der Bildungsstand hat sich verbessert: Mehr Abiturienten nehmen ein Hochschulstudium auf und es verlassen deutlich weniger junge Menschen die Schule ohne Abschluss als noch vor einigen Jahren. Die Familienpolitik macht es qualifizierten berufstätigen Frauen leichter, Familie und Beruf zu vereinbaren. Nur in Sachen Zuwanderung zeigt Deutschland bisher keine Reaktion auf den demografischen Wandel und auf den künftigen Bedarf an Arbeitskräften. Gelähmt durch die Versäumnisse der Integration hat sich das Land gegen Zuwanderung nahezu abgeschottet: Vorübergehend war Deutschland sogar von einem Ein- zu einem Auswanderungsland geworden. Seit Jahren können Zuwanderer nicht mehr kompensieren, dass der Überschuss der Sterbefälle die Zahl der Neugeborenen übersteigt. Bis Mitte des Jahrhunderts dürfte sich deshalb der Bevölkerungsschwund auf mindestens zwölf Millionen summieren.

Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, kann freiwilliges Engagement helfen, die Probleme demografisch angeschlagener Regionen zu mildern. Ob Lesepatenschaft, Migrationslotsinnen und lotsen oder Altenbegleitung, das Thema freiwilliges Engagement hat Konjunktur. Der bundesweite Freiwilligensurvey zeigt, dass 2009 ein reichliches Drittel aller Bürger freiwillig engagiert war - allerding derselbe Anteil wie zehn Jahre zuvor. In den kommenden Jahren werden immer größere Jahrgänge von immer besser ausgebildeten Menschen in Rente gehen. Viele von ihnen werden gesund, aktiv und vergleichsweise wohlhabend älter. Auch ihr beruflicher Hintergrund und Lebensstil ist anders. Dies verändert auch die Formen des Engagements - weg von festen, fast unternehmensgleichen Strukturen in Vereinen und Verbänden hin zu projektbezogenem, individuellem Engagement.

In der vom Generali Zukunftsfonds geförderten Studie "Die demografische Lage der Nation - Was freiwilliges Engagement für die Regionen leistet" hat das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung die Rolle von freiwilligem Engagement in sechs deutschen Landkreisen und Städten untersucht, die vom demografischen Wandel besonders betroffen sind. Wie sich zeigt, braucht bürgerschaftliches Engagement dort bessere Rahmenbedingungen.

Die demografische Lage der Nation. Was freiwilliges Engagement für die Regionen leistet, Steffen Kröhnert, Reiner Klingholz, Florian Sievers, Thilo Großer, Kerstin Friemel, Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, 2011

Weitere Informationen

Die Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung steht zum Download unter www.berlin-institut.org zur Verfügung.

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Themenportal

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Das Themenportal zum Aktionsprogramm "älter, bunter, weiblicher - WIR GESTALTEN ZUKUNFT!" des Landes Niedersachsen. www.aelter-bunter-weiblicher.de

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Unsere Zukunft - Unsere Stärke | Informationen zur Ausstellung

Die niedersächsische Wanderausstellung zum Demografischen Wandel "Unsere Zukunft - Unsere Stärke" stellt die Entwicklung der Bevölkerung in Niedersachsen dar. Sie nennt wichtige Handlungsfelder für Niedersachsen. weiterlesen >>>

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Positionspapier der LandFrauen | Abwanderung von jungen Frauen aus ländlichen Regionen

Das Positionspapier "Gehen und Wiederkommen! Perspektiven für junge Frauen im ländlichen Raum gestalten" aus dem Jahr 2013 finden Sie unter www.landfrauen.info/unsere-positionen/positionen

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Fachkräfteoffensive

Nationale und internationale Kampagne gegen den Fachkräftemangel mit den beiden Internetplattformen www.fachkräfte-offensive.de und www.make-it-in-Germany.com.

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Online-Handbuch Demografie

Das Online-Handbuch Demografie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung:

  • Grundbegriffe von Bevölkerungswissenschaft und Bevölkerungsgeografie;
  • die historische und aktuelle Entwicklung der Bevölkerung weltweit, in Europa und in Deutschland;
  • Ursachen und Konsequenzen demografischer Entwicklungen.

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Bertelsmann-Stiftung

Umfassende Informationen zum Thema Demografischer Wandel stellt die Bertelsmann-Stifung online zur Verfügung. Mit Materialien, Online-Tools und mehr.

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Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)

Das Dossier "Demografischer Wandel in Deutschland" steht auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung zur Verfügung.

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Aktuelle Aktion

Wir-haben-gewaehlt_EIZ
Im neuen Europaparlament werden in der Mehrheit Männer Politik gestalten - auch wenn in diesem Parlament mehr Frauen sitzen als vorher! Aber es gibt keine Quote auf EU-Ebene, es gibt kein Parité-Gesetz, wie z.B. in Frankreich. Eine quotierte Kommission macht noch keinen frauenpolitischen Sommer - aber es lässt hoffen! Das EIZ Niedersachsen lädt in Kooperation mit dem Landesfrauenrat Niedersachsen und der Region Hannover am 18. Oktober 2019 zur Diskussion ein: "Wir haben gewählt! Was wir Frauen von Europa erwarten". www.eiz-niedersachsen.de

Broschüre der Woche

Unternehmensmonitor-Familienfreundlichkeit-2019
Zum sechsten Mal hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) den "Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit" vorgelegt. Die aktuellen Ergebnisse zeigen deutliche Fortschritte, aber auch weiteren Handlungsbedarf. Der Monitor wird vom Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) gefördert. Er besteht aus einer repräsentativen Unternehmensbefragung und einer repräsentativen Beschäftigtenbefragung. weiterlesen >>>

Termine Alle Termine >>>

Oktober 2019

16.10.2019 | DIGITALISIERUNG Motor oder Bremse für die Neugestaltung der Erwerbs-und Sorgearbeit?, Berlin

18.10.2019 | Wir haben gewählt! Was wir Frauen von Europa erwarten, Hannover

22.10.2019 | NeMiA Netzwerk-Kongress | Die Zukunft der Arbeitswelt - Kompetenzen und Potentiale von Frauen mit Migrationsbiografie, Hannover

25.10.2019 | Strategien im Umgang mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz, Berlin

29.10.2019 | Nach der Wahl ist vor der Wahl. Europäische Frauen- und Gleichstellungspolitik, Regensburg

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Kalendermonatsblatt

10_Kalender-VNST_Oktober
Der Frauenkalender der Vernetzungsstelle 2019 widmet sich dem Thema "Europa". Lesen Sie hier unseren Beitrag für den Monat Oktober: "Gender Pay Gap? Gender Pay Act!"