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Das Portal aus Niedersachsen für Gleichberechtigung, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte

Antifeminismus

Antifeminismus ist ein Thema, mit dem alle Akteurinnen und Akteure, die sich für Gleichstellungsthemen einsetzen, schon lange konfrontiert sind. Die Frauenrechtlerin Hedwig Dohm prägte diesen Begriff 1902 in einer Essay-Sammlung analog zum Begriff des Antisemitismus. Die Leipziger Autoritarismusstudie von 2024 macht deutlich, dass antifeministische Einstellungen in Deutschland ansteigen. Bereits 2022 zeigte die Studie, dass jeder dritte Mann und jede fünfte Frau ein geschlossenes antifeministisches Weltbild aufweist. Die antifeministische Szene ist durchaus heterogen und ist u.a. von Maskulinisten, der Lebensschutz-Bewegung, rechte Bewegungen und auch fundamental religiösen Strömungen geprägt. Bei aller politischen und sozialen Unterschiedlichkeit der Gruppierungen und Strömungen herrscht Einigkeit darin, dass feministische Vorstellungen das konstruierte Weltbild nur stören. 

Antifeminismus und Provinzialität

Welche Rolle spielen Sozialisations- und Lebensbedingungen in strukturschwachen, ländlichen Regionen in Deutschland in Bezug auf Antifemismus? Dies ist bislang kaum erforscht. Die Wissenschaftlerinnen Johanna Niendorf, Dr. Fiona Kalkstein, Henriette Rodemerk und Charlotte Höcker veröffentlichen in dem Sammelband “Antifeminismus und Provinzialität - zur autoritären Abwehr von Emanzipation” erste Erkenntnisse hierzu. Sie stellen Ergebnisse aus einem qualitativen Forschungsprojekt zur Geschlechterdemokratie im Erzgebirge vor. Der Begriff der Provinzialität wird im Wesentlichen aus den Schriften Theodor Adornos abgeleitet und bezeichnet “ein Denken in fixen Kategorien, das Reflexion und damit Ambivalenz ablehnt, mit Autoritarismus und Ungleichheitsideologien kompatibel und entsprechend von der politischen Rechten mobilisierbar ist – und das auf dem Land tendenziell, weil es sozialen Formen und nicht Siedlungsformen entspringt, eher vorzufinden ist als in der Stadt.” Solche Strukturen und Denkweisen sind aber auch in Städten anzutreffen, wie  ein Beispiel aus der Großstadt Belfast illustriert. “Gute Voraussetzungen findet Provinzialität auf dem Land aufgrund der dortigen Übersichtlichkeit der Verhältnisse,” so formuliert es Bernd Belina, Professor für Humangeographie am Institut für Humangeographie der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Der Sammelband beleuchtet unterschiedliche Bereiche des Antifeminismus und lässt auch die Perspektive von Gleichstellungsbeauftragten zu Wort kommen. Die Veröffentlichung steht frei über ssoar.info zur Verfügung.

Diskursatlas Antifeminismus

Der Diskursatlas Antifeminismus will antifeministische Äußerungen, die aus sehr unterschiedlichen Richtungen kommen können, sichtbarer machen. Dabei orientiert er sich an spezifischen Narrativen. Grundlage sind eine Vielzahl von Äußerungen, deren Herkunft, Bedeutung und Geschichte übersichtlich zusammengestellt sind. Die Narrative finden sich in acht übergeordneten Diskursthemen wieder: "Bevölkerung", "Geschlecht“, "Sexualität“, "Familie“, "Bildung“, "Arbeit", "Gleichstellung", "Gewalt". Diese bilden zentrale Teilbereiche des Antifeminismus. Der Diskursatlas macht darüber hinaus Akteurinnen und Akteure und ihre Verbindungen sichtbar. Der Diskursatlas kann hier aufgerufen werden: Diskursatlas

Erscheinungsformen und Ursachen des aktuellen Antifeminismus

Der Vortrag "Incels, Pick-Up-Artists, Rechtsextremisten. Erscheinungsformen und Ursachen des aktuellen Antifeminismus" von Prof. Dr. Rolf Pohl fand im Rahmen der Online – Tagung "Feindbild Frau - Antifeministen und Frauenhasser auf dem Vormarsch." am 07.10.2022 statt. Er wurde von der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Syke in Kooperation mit der Arbeitsgruppe Demokratieprinzip der lag Gleichstellung-Niedersachsen veranstaltet.

Antifeminismus auf dem Weg durch die Institutionen - Strategien und maskulistische Netzwerke

Männer und Frauen, die antifeministische Positionen vertreten, melden sich seit Mitte der 2000er-Jahre lautstark in der Öffentlichkeit zu Wort. Sie halten die Gleichstellung von Frauen und Männern für längst erreicht und ignorieren andere Geschlechtsidentitäten und Lebensweisen völlig. Insbesondere in den sozialen Medien nimmt die Frauenfeindlichkeit zu und schafft eine toxische Atmosphäre. Die Handreichung "Antifeminismus auf dem Weg durch die Institutionen" vom Gunda-Werner-Institut der Heinrich-Böll-Stiftung bietet gleichstellungspolitisch Aktiven zahlreiche Informationen sowie Kriterien und Leitfragen, mit denen antifeministische Gruppierungen besser eingeordnet und einschätzt werden können. Dorothee Beck, Thomas Gesterkamp, Andreas Kemper, Barbara Stiegler, Henning von Bargen: Antifeminismus auf dem Weg durch die Institutionen, Oktober 2021, hrsg. Von der Heinrich-Böll-Stiftung. PDF-Datei zum kostenlosen Download auf: gwi-boell.de

Radikalisierungsmaschinen

Wie mobilisieren Extremisten ihre Anhängerschaft? Die Extremismusforscherin und Journalistin Julia Ebner kennt die Kanäle und Verbreitungsmechanismen extremistischer Ideologien im Internet und hat sich selbst in radikale Gruppierungen eingeschleust. Sie erkennt ein klares Skript der Radikalisierung: Rekrutierung, Sozialisierung, Kommunikation, Mobilisierung, Angriff. Radikale Gruppierungen bauen gezielt isolierte Echokammern im Internet auf, um neugeworbene Mitglieder emotional an die Gruppe zu binden und sozial zu isolieren. Zum ideologischen Grundgerüst extremistischer Gruppierungen gehört der Antifeminismus. Julia Ebner gibt weitere erschreckende Einblicke in die Welt bizzarer Verschwörungstheorien und rechtsradikaler, rassistischer Ideologen. Das Internet nutzen sie von abgeschotteten Chaträumen über Troll-Armeen bis hin zu inszenierten Infokriegen gegen Journalistinnen und Journalisten. Was Julia Ebner erfahren und öffentlich gemacht hat, ist fesselnd und abstoßend zugleich. Gibt es eine Chance gegen Troll-Armeen und extremistisches Gedankengift? Mit Frauen im Gespräch zu bleiben, sie zu stärken gegen Manipulation und Missbrauch ist sicherlich ein wichtiger Beitrag.
Julia Ebner: Radikalisierungsmaschinen. Wie Extremisten die neuen Technologien nutzen und uns manipulieren, Suhrkamp Verlag, Berlin 2021

Incels - Geschichte, Sprache und Ideologie eines Online-Kults

"Irgendeiner muss es ja tun", sagt Veronika Kracher. "Es" ist hier das Eintauchen in die Incel-Szene, die Erforschung der "Involuntary Celibates", also unfreiwillig im Zölibat lebender Männer. Wichtig ist die Arbeit über diese Szene, die zur Szene der antifeministischen Männerrechtsgruppen gehört, weil die auf Selbst- und Frauenhass basierende Ideologie konkretes Gefahrenpotential birgt. Narzisstisch gekränkte Männer meinen, ein Recht auf Sex mit Frauen zu haben und führen einen Krieg gegen Frauen, der bis zum Femizid reichen kann. Veronika Kracher beschreibt die Szene, sie analysiert deren Ideologie, die auf "pathologischem frauenfeindlichen Verschwörungsdenken, Selbsthass und kultiviertem Nihilismus" basiert. Darüber hinaus führt Kracher eine sozialpsychologische Analyse dieser, in der Regel weißen, Männer durch. Sie bietet abschließend auch Ansätze, diesem "toxischen Sumpf" zu entkommen. Eine hochinteressante, angesichts der unwürdigen Artikulation und Vorkommnisse nicht immer einfache Lektüre, mit einer Vielzahl von Beispielen der Typen, des Weltbildes, der Jargons und der Techniken von Incels.
Veronika Kracher: Incels - Geschichte, Sprache und Ideologie eines Online-Kults, Ventil Verlag, Mainz 2020

Antifeminismus als Demokratiegefährdung?! Gleichstellung in Zeiten von Rechtspopulismus

Die Handreichung "Antifeminismus als Demokratiegefährdung?! Gleichstellung in Zeiten von Rechtspopulismus" wurde von der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauen- und Gleichstellungsbeauftragter (BAG) herausgegeben. Sie soll als Grundlagenwerk nützlich sein und kommunalen Gleichstellungsbeauftragten helfen, die Ziele und Vorgehensweisen von rechtspopulistischen Strömungen und Parteien kennenzulernen und einordnen zu können. Oftmals werden Frauen- oder Gleichstellungsbeauftragte von Vertreterinnen und Vertretern rechtspopulistischer Parteien angegriffen und mit Anfragen konfrontiert. Häufig wird auch gefordert, Gleichstellung und Gleichstellungsbeauftragte abzuschaffen. Hier setzt die Broschüre an und informiert über Hintergründe und Strategien. Sie gibt aber auch Handlungsempfehlungen und zeigt Gegenstrategien auf. Jeweils ein Kapitel ist auch dem Umgang mit Anfeindungen in sozialen Medien, bzw. dem Umgang mit Rechtspopulisten auf Podien und im Publikum bei Veranstaltungen gewidmet.
Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauen- und Gleichstellungsbeauftragter (Hrsg.): Antifeminismus als Demokratiegefährdung?! Gleichstellung in Zeiten von Rechtspopulismus, Berlin 2018. Die Broschüre steht als pdf-Datei auf der Webseite der BAG zur Verfügung.

Betrifft Mädchen | Rechtspopulismus und Antifeminismus. Nein danke!

Antifeministische Positionen und Bestrebungen werden in politischen Auseinandersetzungen immer lauter. Eine wachsende Polarisierung in den Debatten um Geschlecht und Sexualität ist zu beobachten. Diese Ausgabe der "Betrifft Mädchen" zeigt, wie präsent das Phänomen Antifeminismus in der pädagogischen Mädchenarbeit ist und wie dem begegnet werden kann. Antifeminismus ist das verbindende Element zwischen Rechtspopulistinnen und -populisten, religiösen Fundamentalistinnen und Fundamentalisten, (National)Konservativen und rechtsnationalen Gruppierungen. Das Selbstbestimmungsrecht von Mädchen, Frauen und LGBTIQ-Personen wird dabei zur Angriffsfläche, "der Feminismus" wird zum Feindbild erklärt und als Bedrohung konstruiert. Mit Beiträgen von: Juliane Lang, Johanna Sigl, Katharina Nöbl, Judith Goetz, Kemal Bozay, Lena Wiese, Matthias Müller, Kai Dietrich, Karola Jaruczewski, Willy Vetter, Maja Tölke
LAG Mädchenarbeit NRW e.V. (Hrsg.): Rechtspopulismus und Antifeminismus. Nein Danke! Betrifft Mädchen 4/2018, Bestellung über www.beltz.de. Weitere Informationen unter www.maedchenarbeit-nrw.de.

Infothek Antifeminismus

Die Infothek Antifeminismus der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros

Starkmachen für Demokratie mit KonterBUNT

Die kostenlose App KonterBUNT hilft dabei, Stammtischparolen entschlossener zu begegnen. Die App macht Vorschläge für gute Argumente gegen Parolen und bietet einen Strategieguide. In einem Mini-Game lassen sich verschiedene Reaktionen auf Parolen direkt in der App ausprobieren. "KonterBUNT. Einschreiten für Demokratie" ist ein Angebot der Niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung und der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt. KonterBUNT steht in den App-Stores von Google und Apple kostenlos zum Download bereit. www.konterbunt.de