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Flexibilität - ein Muss in der heutigen Arbeitswelt?

Kennen Sie den Begriff "Normalarbeitsverhältnis"? Darunter ist laut Statistischem Bundesam folgendes zu verstehen: "Unter einem Normalarbeitsverhältnis wird ein abhängiges Be­schäf­ti­gungs­ver­hältnis ver­stan­den, das in Voll­zeit oder in Teilzeit ab 21 Wochenstunden und unbefristet ausgeübt wird. Ein Normalarbeitnehmer arbeitet zudem di­rekt in dem Un­ter­neh­men, mit dem er einen Arbeitsvertrag hat." Dagegen sind atypisch Beschäftigte unter 20 Wochenstunden oder befristet beschäftigt sowie in Zeitarbeitsverhältnissen. Dann gibt es noch die sog. prekäre Beschäftigung, die sich insbesondere durch ein höheres Armutsrisiko auszeichnet.

Diese Einteilungen sagen aber noch nichts über Arbeitszeiten oder Arbeitsorte aus. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales definiert sieben Teilzeitmodelle, die wir hier aufführen. Die Lage der Arbeitszeit variiert, z.B. bei Gleitzeit, Lebensarbeitszeitkonten, Schichtarbeit. Und nicht erst seit der Corona-Pandemie, aber seitdem besonders sichtbar, gibt es auch unterschiedliche Arbeitsorte, wozu inzwischen das mobile Arbeiten oder die Arbeit im Homeoffice gezählt werden müssen.

Aktuelle Zahlen zur Arbeitszeit

Angesichts des oft reklamierten Bedarfs an Fachkräften wird aktuell wieder über die Ausweitung der Arbeitszeit diskutiert. Vollzeitbeschäftigte in Deutschland leisteten zuletzt etwas weniger Arbeitsstunden pro Woche als noch zehn Jahre zuvor. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) auf Basis von Erstergebnissen des Mikrozensus mitteilt, arbeiteten abhängig Beschäftigte in Vollzeit im Jahr 2025 im Schnitt 39,9 Wochenstunden. Im Jahr 2015 waren es noch 40,5 Stunden pro Woche. Im Vergleich zu 2024 hat sich die wöchentliche Arbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten nicht geändert. 

Gleichzeitig nahm die geleistete Arbeitszeit von Teilzeitbeschäftigten zu: Diese arbeiteten im letzten Jahr durchschnittlich 21,3 Wochenstunden und damit 2,0 Stunden mehr als 2015 mit 19,3 Stunden pro Woche. Im Vergleich zu 2024 stieg die wöchentliche Arbeitszeit von Teilzeitbeschäftigten geringfügig an: um 0,1 Stunden.

Zusammengenommen arbeiteten abhängig Beschäftigte im Jahr 2025 im Schnitt 34,0 Stunden in der Woche. Das sind 0,4 Stunden weniger als zehn Jahre zuvor und genauso viele Stunden wie im Jahr 2024.

Jede zweite Frau arbeitet in Teilzeit

Im Jahr 2025 arbeiteten 31,9 % der abhängig Beschäftigten in Teilzeit. Frauen gingen dabei häufiger einer Teilzeitbeschäftigung nach als Männer: Während im Jahr 2025 jede zweite Frau (50,6 %) teilzeitbeschäftigt war, traf dies nur auf jeden siebten Mann (14,3 %) zu. Sowohl für Frauen als auch für Männer erreichte die Teilzeitquote damit einen neuen Höchststand. Bei den Männern nahm sie jedoch stärker zu als bei den Frauen: Im Jahr 2015 waren noch 48,0 % der Frauen und 10,6 % der Männer in Teilzeit tätig gewesen.

Mütter mit Kindern arbeiten acht Mal so häufig in Teilzeit wie Väter

Auch unter Eltern im Alter von 25 bis 49 Jahren reduzieren Frauen deutlich häufiger ihre Arbeitszeit als Männer. Im Jahr 2025 arbeiteten knapp zwei Drittel (66,4 %) der erwerbstätigen Mütter mit Kindern unter 18 Jahren in Teilzeit. Bei Vätern in derselben Situation waren es weniger als ein Zehntel (8,6 %). Dabei spielt das Alter der Kinder kaum eine Rolle. Eltern mit jüngeren Kindern, die mehr Betreuung benötigen, arbeiten nicht wesentlich häufiger in Teilzeit. Dabei sind Mütter mit jüngeren Kindern seltener erwerbstätig als jene mit älteren.

Ohne Kinder arbeiten Frauen ebenfalls häufiger in Teilzeit als Männer: Während knapp ein Viertel (24,8 %) der 25- bis 49-jährigen erwerbstätigen Frauen ohne Kinder einen Teilzeitjob hatte, waren es bei den kinderlosen Männern dieser Altersgruppe mit 12,3 % rund halb so viele.

Mehr als die Hälfte der 65-Jährigen arbeitet in Teilzeit

Wer im Alter arbeitet, tut dies häufig in Teilzeit. War die Teilzeitquote bei den 55-Jährigen im Jahr 2025 mit 30,6 % noch niedriger als über alle Altersgruppen hinweg, lag sie bei den 60-Jährigen mit 33,5 % bereits über dem Durchschnitt. Unter den 65-Jährigen, die noch erwerbstätig waren, arbeitete mehr als die Hälfte (53,4 %) mit reduziertem Stundenumfang. Bei Personen, die über das gesetzliche Rentenalter hinaus arbeiten, steigt die Teilzeitquote noch stärker an. Mit 70 Jahren arbeitete schließlich ein Großteil (90,3 %) der Beschäftigten in Teilzeit. Die Entwicklung zeigt sich sowohl bei Frauen als auch bei Männern – wenn auch auf unterschiedlichem Niveau.

Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 27.5.2026 

Teilzeitbeschäftigung - die Gründe

Die Gründe für eine Teilzeittätigkeit sind vielfältig und können bei Frauen und Männern unterschiedlich stark zum Tragen kommen. Am häufigsten gaben Teilzeitbeschäftigte im Jahr 2024 den eigenen Wunsch nach Teilzeit als Grund für die Reduzierung der Arbeitsstunden an. Das traf auf 27,9 % der insgesamt 13,1 Millionen Erwerbstätigen in Teilzeit zu, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach Endergebnissen des Mikrozensus 2024 mitteilt. Teilzeitbeschäftigte Frauen (28,9 %) wollten demnach häufiger in Teilzeit arbeiten als teilzeitbeschäftigte Männer (24,9 %).

Ein weiterer wichtiger Grund für die Teilzeittätigkeit ist die Betreuung von Angehörigen. 23,5 % der Teilzeitbeschäftigten arbeiteten in reduziertem Umfang, um Kinder, Menschen mit Behinderungen oder pflegebedürftige Personen zu betreuen. Bei Frauen war dieser Anteil mit 28,8 % mehr als viermal so hoch wie bei Männern mit 6,8 %. Eine Aus- oder Fortbildung oder ein Studium waren für 11,6 % ein Teilzeitgrund. Teilzeitbeschäftigte Männer gaben dieses Motiv mit einem Anteil von 21,5 % deutlich häufiger an als Frauen (8,4 %).

Ein weiterer Grund für das Arbeiten in Teilzeit waren die eigene Krankheit oder Behinderung (4,9 %). Weitere 4,8 % der Teilzeitbeschäftigten würden gern in Vollzeit arbeiten, konnten jedoch keine passende Stelle dazu finden. Die restlichen 27,4 % hatten andere familiäre, persönliche oder sonstige Gründe für ihre Teilzeitbeschäftigung.

Quelle:Statistisches Bundesamt, www.destatis.de 

Teilzeitmodelle

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales definiert sieben Teilzeitmodelle

  • Teilzeit Classic - die stundenweise Reduzierung der täglichen Arbeitszeit
  • Teilzeit Classic Vario - Verteilung der wöchentlichen Arbeitszeit mit variierender Stundenanzahl
  • Teilzeit Jobsharing - Arbeitnehmende teilen sich eine Stelle
  • Teilzeit Invest - Vollzeit arbeiten, aber nur Teilzeit bezahlt bekommen mit Zeit- oder Geldguthaben für langfristigen Ausstieg (z.B. Sabbatical)
  • Teilzeit Team - Vorgabe, wieviele Mitarbeitende in einem Zeitabschnitt anwesend sein müssen, die Verteilung regelt das Team
  • Teilzeit Saison - saisonale Arbeitszeiten, z.B. in Tourismus, Landwirtschaft
  • Teilzeit Home - von zuhause aus Teilzeit, Kombinationen von täglicher oder wöchentlicher Reduzierung möglich

Weitere Informationen auf der Website des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

Mehr Vereinbarkeit durch flexible Arbeitszeitmodelle

Das Unternehmensprogramm „Erfolgsfaktor Familie“ hat Informationen zu Arbeitszeitmodellen auf seiner Website zusammengestellt. www.erfolgsfaktor-familie.de/arbeitszeiten/familienbewusste-arbeitszeitmodelle-und-was-dahinter-steckt.html.

Teilzeit-Netto-Rechner

Berechnen Sie Ihr Gehalt mit dem Online-Angebot des Bundesarbeitsministeriums. www.bmas.de/static/Teilzeit-Netto-Rechner/index.html

WSI GenderDatenPortal

Ein Informationsangebot der Hans-Böckler-Stiftung mit Daten und Grafiken zum Thema Erwersarbeit aus Geschlechterperspektive. Zum GenderDatenPortal.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Die Website des DGB zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf.