August 2027 | Kinder sind keine Soldaten
Wenn Mädchen und Jungen zu Kriegswaffen gemacht werden

Am 12. Februar jeden Jahres erinnert der Red Hand Day an das Schicksal von Kindern, die in bewaffneten Konflikten als Soldat:innen missbraucht werden. Der Tag markiert das Inkrafttreten des Fakultativprotokolls zur UN-Kinderrechtskonvention über die Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten im Jahr 2002 – ein Meilenstein im Kampf gegen eine der schwersten Menschenrechtsverletzungen unserer Zeit. Seitdem gilt die Rekrutierung von Kindern unter 15 Jahren als Kriegsverbrechen. Minderjährige dürfen nicht gegen ihren Willen eingezogen werden oder an Kampfhandlungen teilnehmen.
Fast alle Staaten der Welt haben die Kinderrechtskonvention ratifiziert. Doch trotz internationaler Abkommen und jahrzehntelanger Bemühungen bleibt der Einsatz von Kindersoldat:innen immer noch Realität: In mehr als 20 Ländern weltweit werden schätzungsweise bis zu 250.000 Mädchen und Jungen zwangsrekrutiert, missbraucht und in Kriege geschickt, vor allem in langwierigen Konflikten wie in einigen Ländern in Afrika, in Asien und im Nahen Osten. Die Jungen und Mädchen werden von den Milizen oft nicht nur zum Kämpfen benutzt oder als lebende Schutzschilde und Selbstmordattentäter:innen, sondern auch zum Spähen oder Kochen, werden sexuell missbraucht oder zwangsverheiratet.
Seit der Einführung des "Monitoring and Reporting Mechanism", einer geregelten Untersuchung und Dokumentation von schweren Kinderrechtsverletzungen in Konflikten, haben die Vereinten Nationen zwischen 2005 und 2022 rund 105.000 Fälle von Kindern verifiziert, die von bewaffneten Gruppen zum Kämpfen oder für unterstützende Rollen missbraucht wurden. Expert:innen gehen von einer erheblichen Dunkelziffer aus.
Und auch Deutschland ist betroffen – als Land, in dem ehemalige Kindersoldat:innen Schutz suchen. Aktuelle Zahlen fehlen, denn das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erfasst keine Statistiken oder systematische Identifizierung zu dieser besonders vulnerablen Gruppe unter den Asylsuchenden. Viele scheitern an den hohen Hürden der Anerkennung als politisch Verfolgte. Hinzu kommt: Viele Betroffene leiden unter schweren Traumata, können oder wollen ihre Vergangenheit nicht preisgeben – und erhalten daher keine angemessene Unterstützung.
Aber auch die Bundeswehr steht in der Kritik: Denn sie ermöglicht, zwar unter Auflagen, aber dennoch, bereits 17-Jährigen die Bewerbung und Einstellung als Soldat:in – um sie in ihrer Karriere nicht gegenüber anderen minderjährigen Berufseinsteiger:innen zu benachteiligen.
Trotz der staatlichen Defizite setzen sich in Deutschland zahlreiche Organisationen für ehemalige Kindersoldaten ein: Die UNO-Flüchtlingshilfe, der deutsche Partner des UNHCR, unterstützt Anlaufstellen in Deutschland, wie zum Beispiel die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer e.V., deren Behandlungszentren auch ehemalige Kindersoldat:innen betreuen. Auch das Deutsche Bündnis Kindersoldaten fordert von der Bundesregierung besseren Schutz für geflüchtete Kindersoldaten und deren Familien. terre des hommes, World Vision und die Kindernothilfe engagieren sich für Prävention, Aufklärung und Wiedereingliederung in Krisenregionen und unterstützen Projekte in Deutschland.
Auch Sie können handeln! Beteiligen Sie sich am Red Hand Day (12. Februar) und setzen Sie ein Zeichen gegen den Einsatz von Kindersoldat:innen. Informieren Sie sich und andere – denn nur wer die Fakten kennt, kann für Veränderung eintreten.
Weiterführende Informationen und Quellen:
https://www.kindersoldaten.info
https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/blog/-/kindersoldaten-in-afrika-und-weltweit/275182
Aktions- und Feiertage im August
8. August Augsburger Friedensfest (Der einzige gesetzlich geschützte Stadtfeiertag in Deutschland, der an die Gleichstellung der Protestanten mit den Katholiken nach Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 erinnert.)
15. August Mariä Himmelfahrt