Kalender 2027 "Starke Frauen für den Frieden"

Der Kalender der Vernetzungsstelle für das kommende Jahr greift ein schwieriges, aber doch auch drängendes Thema auf.
Frauen in Krieg und Frieden. Ein Thema, das zwar leider dauernd akut ist – es gibt weltweit viele bewaffnete Konflikte und Kriege – aber spätestens seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine ist der Krieg nun in Europa und auch in Deutschland angekommen. Das ist nicht nur ökonomisch zu spüren, oder durch die Umverteilung von Finanzmitteln. Auch Angriffe durch Drohnen oder Spionage rücken näher und Cyberangriffe sind nicht nur im Wahlkampf auf Länderebene ein Thema.
Wir nähern uns mit 12 Monatsgeschichten dem komplexen Gegenstand und hoffen, dass wir mit jedem Text auch immer eine positive Botschaft für Sie bereithalten können. Ein Kurztext auf der Rückseite bietet einen ersten Einblick in das Thema. Die Langfassung der Texte mit weiteren Informationen finden Sie hier:
Januar 2027 | Kriegsberichterstatterinnen
Frauen, die dorthin gehen, wo andere wegschauen.

Sophie von der Tann berichtet aus Tel Aviv, Katharina Willinger aus Istanbul und Teheran, Hanna Resch aus der arabischen Welt – drei Journalistinnen, die dorthin blicken, wo es gefährlich, komplex und schmerzhaft wird. Sie stehen mitten in Kriegen und Krisen, ohne ihre Menschlichkeit zu verlieren: nah dran, aber nicht vereinnahmt, einfühlsam und zugleich professionell distanziert. Für ihre herausragende Arbeit wurden sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis und dem Grimme-Preis. Besonders am Herzen liegt ihnen, Menschen vor Ort eine Stimme zu geben – vor allem Frauen, deren Schicksale sonst oft ungehört bleiben. Wer sind diese außergewöhnlichen Journalistinnen, was treibt sie an, und wie gelingt es ihnen, in Extremsituationen glaubwürdig und nah am Menschen zu bleiben? Der Langtext erzählt ihre Geschichten – mutig, klug und mit einer ganz eigenen Haltung zum Journalismus. weiterlesen>>>
Februar 2027 | Frauen auf der Flucht
Mut, Verlust und die Hoffnung auf ein selbstbestimmtes Leben

Über 121 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht – Frauen und Mädchen trifft es besonders hart. Auf dem Weg in die Sicherheit drohen ihnen Gewalt, Missbrauch und der Verlust jeglichen Schutzes, während gleichzeitig die internationale Flüchtlingshilfe unter massiven Mittelkürzungen leidet. Und doch wagen viele Frauen den Aufbruch – getrieben von der Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben, frei zu lieben, frei zu entscheiden, frei zu sein. Die Autorin Tina Ackermann hat mit geflüchteten Frauen gesprochen und einfühlsam ihre Geschichten festgehalten – von Angst und Verlust, aber auch von Mut, Solidarität und ungebrochener Stärke. Was erleben Frauen auf der Flucht wirklich? Welche Hoffnungen tragen sie, welche Gefahren begleiten sie – und was braucht es, damit aus Flucht ein neuer Anfang werden kann? Der Langtext blickt hinter die Zahlen und erzählt von den Menschen dahinter: eindringlich, berührend und mit Fakten zur aktuellen Lage in Deutschland und weltweit. weiterlesen>>>
März 2027 | UN-Resolution 1325
Warum Frauen den Frieden mitgestalten müssen

Frauen sind in Kriegen weit mehr als nur Opfer – sie gestalten Frieden aktiv mit. Das erkannte der UN-Sicherheitsrat bereits 2000 mit der Resolution 1325 an: Frauen sollen besser geschützt, aber vor allem gleichberechtigt an Friedensverhandlungen und Wiederaufbau beteiligt werden. Ein Meilenstein – doch 25 Jahre später klafft zwischen Anspruch und Wirklichkeit noch immer eine große Lücke. Sanktionen bei Nichtumsetzung fehlen, echte Mitsprache von Frauen bleibt vielerorts die Ausnahme, Finanzierung und Umsetzung hinken hinterher. Auch Deutschland hat sich zur konsequenten Umsetzung verpflichtet, ein aktueller Bericht dazu steht jedoch noch aus. Expertinnen mahnen gerade in Zeiten wachsender Kriege und Krisen sei die Resolution dringender denn je. Was steckt hinter der Resolution 1325, was wurde bislang erreicht – und woran hakt es noch? Der Langtext zeigt, warum die Stimme von Frauen für echten und dauerhaften Frieden unverzichtbar ist. weiterlesen>>>
April 2027 | Frauen und Bundeswehr
Gleichberechtigung durch Waffendienst oder feministischer Irrweg?

Seit 2001 dürfen Frauen in der Bundeswehr an der Waffe dienen – ein Meilenstein für Gleichberechtigung, so die offizielle Lesart. Doch der Frauenanteil liegt bis heute bei nur 14 Prozent, und auch unter jungen Frauen ist das Interesse am neuen Wehrdienst gering. Was zunächst nach Fortschritt klingt, wirft bei genauerem Hinsehen unbequeme Fragen auf: Ist der Zugang zum Militär wirklich ein feministischer Erfolg – oder dient er vor allem dazu, patriarchale, hierarchische Strukturen zu legitimieren? Wird Gleichberechtigung hier instrumentalisiert, um Aufrüstung akzeptabler erscheinen zu lassen, während Frauen anderswo, etwa in Sozial- und Gesundheitsberufen, weiter benachteiligt bleiben? Und wie lässt sich die feministisch-pazifistische Tradition mit dem Wunsch nach Verteidigungsfähigkeit vereinbaren, seit Krieg in Europa wieder Realität ist? Der Langtext wägt ab zwischen Kritik, Widerspruch und der Suche nach einer eigenen, situativen feministischen Haltung zu Sicherheit und Militär. weiterlesen>>>
Mai 2027 | Frauen und Friedensnobelpreis
Die lange Geschichte einer späten Anerkennung

Nur 20 von 112 Friedensnobelpreisträger: innen waren bisher Frauen – dabei war es eine Frau, die den Preis überhaupt anregte: Bertha von Suttner, deren Anti-Kriegsroman "Die Waffen nieder!" 1889 gesellschaftliche Tabus brach. Sie erhielt den Preis 1905 als erste Frau, doch danach dauerte es 26 Jahre, bis wieder eine folgte. Warum wurden Frauen so lange übergangen? Männerdominierte Gremien, ein exklusives Nominierungsnetzwerk und ein enger Friedensbegriff machten es ihnen besonders schwer – Frauen aus dem Globalen Süden gleich doppelt. Seit Anfang der 2000er Jahre rücken Aktivistinnen wie Shirin Ebadi, Wangari Maathai oder Malala Yousafzai zunehmend in den Fokus – während Initiativen wie "1.000 Peace Women" zeigen, wie unsichtbar Frauen im Nominierungssystem bis heute oft bleiben. Auch zeigt die Forschung: Friedensverhandlungen mit Frauen sind nachweislich erfolgreicher. Der Text erzählt die Geschichte eines Preises, der Frauen lange übersah. weiterlesen>>>
Juni 2027 | Geschlechtsspezifische Gewalt im Krieg
Vom Schweigen zur Anklage

Sexualisierte Gewalt wird in Kriegen gezielt als Waffe eingesetzt – zur Erniedrigung, Vertreibung und Zerstörung. Betroffen sind zu 97 Prozent Frauen und Mädchen, doch lange galt diese Gewalt nicht als eigenständiges Verbrechen. Erst in den 1990er Jahren, mit den Kriegen in Bosnien-Herzegowina und Ruanda sowie der Weltfrauenkonferenz in Peking, rückte das Thema in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Seitdem ist sexualisierte Kriegsgewalt vor dem Internationalen Gerichtshof anklagbar – die Aufarbeitung bleibt dennoch mühsam. In Bosnien und Herzegowina etwa haben bis heute nur rund 900 Betroffene offizielle Anerkennung und Entschädigung erhalten. Organisationen wie medica mondiale setzen sich seit über 30 Jahren für Betroffene ein und fordern eine feministische Erinnerungskultur, die weibliches Leid endlich sichtbar macht. Der Langtext zeigt, wie aus Schweigen Anklage wurde – und warum der Kampf um Anerkennung längst nicht zu Ende ist. weiterlesen>>>
Juli 2027 | Krieg und Frieden in Familien
Häusliche Gewalt erkennen und Wege hinaus finden

2024 wurden in Deutschland fast 266 000 Menschen Opfer häuslicher Gewalt – ein trauriger Höchststand. Betroffen ist zu über 70 Prozent das eigene Zuhause und die eigene Familie. Die Opfer sind mit 70,4 Prozent überwiegend weiblich. Häusliche Gewalt zeigt sich nicht nur körperlich, sondern auch als Kontrolle, Demütigung oder Isolation – oft über Jahre, manchmal seit der Kindheit. Scham, Schuldgefühle und die Hoffnung auf eine „glückliche“ Familie halten viele Betroffene davon ab, sich Hilfe zu holen. Dabei gilt: Wer betroffen ist, trägt keine Schuld. Der Weg aus der Gewalt kann gefährlich sein, gerade in der Trennungsphase – doch Frauenhäuser und Beratungsstellen begleiten Frauen und Kinder sicher in ein selbstbestimmtes Leben. Der Langtext erklärt, wie sich Gewaltmuster über Generationen fortsetzen können, warum Betroffene oft schweigen – und wo es Unterstützung gibt. weiterlesen>>>
August 2027 | Kinder sind keine Soldaten
Wenn Mädchen und Jungen zu Kriegswaffen gemacht werden

Bis zu 250.000 Mädchen und Jungen werden weltweit als Kindersoldat:innen missbraucht – zum Kämpfen, aber auch als Kundschafter: innen, Köch:innen oder Schutzschilde. Besonders Mädchen erleben zusätzlich sexualisierte Gewalt und Zwangsverheiratung. Seit 2002 gilt ihre Rekrutierung offiziell als Kriegsverbrechen. Doch die Realität sieht anders aus: Allein zwischen 2005 und 2022 wurden rund 105.000 Fälle von der UNO bestätigt. Aktuell steigen die Zahlen schwerer Kinderrechtsverletzungen weiter an. Auch Deutschland ist betroffen, als Zufluchtsort für traumatisierte ehemalige Kindersoldat:innen, die oft kaum Unterstützung finden. Der Red Hand Day am 12. Februar erinnert jährlich an ihr Schicksal. Der Langtext zeigt, warum Kinder in bewaffneten Konflikten besonderen Schutz brauchen, was in Deutschland noch fehlt – und wie Sie selbst ein Zeichen setzen können. weiterlesen>>>
September 2027 | Frieden lernen, Demokratie leben
Wie Kinder Streit ohne Gewalt lösen

"Bildung ist die mächtigste Waffe, um die Welt zu verändern" – was bereits Nelson Mandela sagte, erproben immer mehr Schulen in Deutschland: An einer Grundschule in Goslar etwa lösen schon Erstklässler:innen ihre Streitigkeiten selbstständig mit der "Friedensbrücke". Was hier im Kleinen gelingt, ist Teil einer größeren Bewegung: Rund 310 UNESCO-Projektschulen, rund 5.000 "Schulen ohne Rassismus", zahlreiche geförderte Demokratieprojekte und viele lokale Einzelprojekte setzen auf gewaltfreie Konfliktlösung statt auf Ausgrenzung. Angesichts von Kriegen, Klimakrise und gesellschaftlicher Spaltung suchen Jugendliche nach Orientierung – Schulen können ihnen diese geben. Der Langtext zeigt eindrucksvolle Beispiele gelebter Friedensbildung und macht Mut, dass "Frieden im Kleinen beginnt". weiterlesen>>>
Oktober 2027 | Feministische Außenpolitik
Ein Label ist weg – die Debatte bleibt

"Das ist sicher kein Gedöns. Es ist eine harte Sicherheitsfrage" – so verteidigte die damalige Außenministerin das Konzept der Feministischen Außenpolitik. Von 2021 bis 2025 verfolgte auch Deutschland diesen ursprünglich schwedischen Ansatz, der Rechte, Ressourcen und Repräsentanz von Frauen stärken soll. Mit dem Regierungswechsel 2025 wurde das Label jedoch wieder gestrichen. War es damit gescheitert – oder einfach zu kurz erprobt? Befürworterinnen sehen in Geschlechtergerechtigkeit eine zentrale Voraussetzung für echten Frieden, Kritiker:innen bemängeln fehlende Antworten auf harte geopolitische und sicherheitspolitische Fragen. International setzen weiterhin 15 Staaten auf feministische Außenpolitik. Der Langtext ordnet ein, was das Konzept leisten kann, wo seine Grenzen liegen – und warum die Debatte über Deutschlands Weg damit noch nicht zu Ende ist. weiterlesen>>>
November 2027 | Den Haag 1915
Wie Frauen mitten im Krieg für den Frieden kämpften

Mitten im Ersten Weltkrieg reisten über 1.200 Frauen aus zwölf Ländern nach Den Haag – für den Frieden. Der Internationale Frauenfriedenskongress 1915 war eine mutige, fast unmögliche Unternehmung: Kriegsgegnerinnen aus feindlichen Nationen saßen gemeinsam an einem Tisch und forderten Frauenwahlrecht, Abrüstung und einen internationalen Schlichtungsgerichtshof. 1919 folgte in Zürich ein zweiter Kongress, der die Friedensverhandlungen nach dem Krieg beeinflussen und Frauenrechte stärken wollte – und schon damals den fatalen Versailler Vertrag kritisierte. Aus diesem Engagement entstand die bis heute aktive Frauenliga für Frieden und Freiheit, eine der ersten NGOs überhaupt. Was genau forderten die Frauen damals, wie viel erreichten sie – und was lässt sich daraus für die Friedensarbeit von heute lernen? Der Langtext blickt zurück auf eine vergessene, aber bemerkenswerte Geschichte weiblichen Widerstands gegen den Krieg. weiterlesen>>>
Dezember 2027 | Frauen an der Front
Wenn Soldatinnen die Ukraine verteidigen

Julija Mykytenko ist Leutnant der ukrainischen Armee und leitet einen Aufklärungszug mit Drohnen – schon vor dem russischen Großangriff 2022 war sie im Donbass im Einsatz, gemeinsam mit ihrem Mann. Ihr zugeteilter Zug bestand zunächst aus 20 Männern, 16 verließen ihn – manche kehrten später zurück, als sich herumsprach, dass sie eine gute Kommandeurin war. Mykytenko steht heute für mehr als 60.000 Soldatinnen, die auf ukrainischer Seite kämpfen, viele davon in eigenen Frauen-Drohneneinheiten gegen russische Logistik und Kommandopunkte. Auch jenseits der Front rüsten sich Frauen: In Estland bildet die "Naiskodukaitse", die Frauenverteidigung, Frauen im Ernstfall eines russischen Angriffs aus – im Kampf, im Sanitätsdienst oder Katastrophenschutz. Der Beitrag zeigt, warum immer mehr Frauen in Osteuropa selbst zur Waffe greifen oder sich verteidigungsbereit machen – und was das über den Krieg von heute erzählt. weiterlesen>>>
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