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Juli 2027 | Krieg und Frieden in Familien

Häusliche Gewalt erkennen und Wege hinaus finden

Im Jahr 2024 wurden in Deutschland 265.942 Menschen Opfer Häuslicher Gewalt, ein neuer Höchststand. Die Opfer sind mit 70,4 Prozent überwiegend weiblich. Die meisten Opfer Häuslicher Gewalt waren von Partnerschaftsgewalt betroffen (171.069 Personen; 64,3 %). 94.873 Personen (35,7 %) waren innerfamiliärer Gewalt ausgesetzt.

Gewaltgeprägte Beziehungsmuster in Familien können sich in folgenden Generationen fortsetzen, wenn keine Reflexion und Aufarbeitung stattfindet. In autoritären, patriarchalischen Denk- und Machtstrukturen sind Frauen und Kinder besonders gefährdet. Frieden in Familien kann nur im gleichberechtigten, gewaltfreien Zusammenleben entstehen. Die Statistik zeigt, dass die Wirklichkeit anders aussieht. Knapp ein Viertel aller in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfassten Opfer sind der Häuslichen Gewalt zuzuordnen. Häusliche Gewalt kann als innerfamiliäre Gewalt von Eltern oder Geschwistern, Schwiegereltern, Großeltern oder anderen Verwandten ausgehen. Als Partnerschaftsgewalt trifft häusliche Gewalt aktuelle oder ehemalige Partnerinnen oder Partner, im Extremfall mit tödlichem Ausgang für eine betroffene Frau.

Häusliche Gewalt wird begünstigt durch die Sorge der Betroffenen, sie würden die Familie verraten, wenn sie Hilfe von "außen" suchen. Oftmals wird die Gewalt auch nicht als solche wahrgenommen, sondern als "normales" Verhalten der gewaltausübenden Person verstanden. Betroffene suchen die Schuld oder einen Anteil daran bei sich selbst. Demütigungen, Beschimpfungen, ökonomische Kontrolle, körperliche Gewalt und digitale Überwachung gehören zu ihrem Lebensalltag, oft schon seit der Kindheit. Diese erlernten Verhaltensmuster werden unter Umständen sowohl von Betroffenen als auch von Gewaltausübenden in späteren Partnerschaften beibehalten. 

Klar ist: Wer Gewalt ausübt, muss sie beenden. Auf diesen Lernprozess lassen sich Männer selten freiwillig ein. Meist bleibt Frauen daher nur die Flucht aus der gewaltbelasteten Umgebung. 

Gewaltbetroffene Frauen leben häufig in wirtschaftlicher Abhängigkeit und Isolation.  Soziale Kontakte werden unterbunden. Das zerstörte Selbstvertrauen, Scham und Schuldgefühle, fehlende Unterstützung und die Hoffnung, doch noch eine "glückliche" Familie schaffen zu können, machen es ihnen schwer, Hilfe anzunehmen und die Beziehung zu beenden. 

Und dieser Weg kann gefährlich sein. In der Nachtrennungsphase eskaliert die Gewalt nicht selten. Gewaltberatungsstellen und Frauenhäuser unterstützen Frauen, die den Mut zur Trennung haben, und begleiten sie und ihre Kinder auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben.

Buchtipp: Roisin O'Donnell : Nest, Karl Blessing Verlag, Müchen 2025, https://www.penguin.de/buecher/roisin-o-donnell-nest/taschenbuch/9783896677938 

Quelle: Bundeslagebild Häusliche Gewalt 2024, https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/JahresberichteUndLagebilder/HaeuslicheGewalt/HaeuslicheGewalt2024.html 

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30. Juli  Welttag gegen Menschenhandel