Weiter zum Inhalt
Das Portal aus Niedersachsen für Gleichberechtigung, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte

Mai 2027 | Frauen und Friedensnobelpreis

Die lange Geschichte einer späten Anerkennung

Nicht viele Frauen haben ihn bisher erhalten, den prestigeträchtigen Friedensnobelpreis. 20 sind es bis 2025 erst, gegenüber 92 Männern. Erste Ausnahmen gab es ab Mitte der 1970er Jahre, aber erst in den 2000ern stieg der Anteil spürbar - 10 der 20 Preisträgerinnen wurden seit 2003 ausgezeichnet. Dabei hat den Preis sogar eine Frau angeregt: Bertha von Suttner, Pionierin der organisierten Friedensbewegung im ausgehenden 19. Jahrhundert. 1876 nahm sie kurzzeitig eine Stelle als Alfred Nobels Sekretärin an und blieb ihm danach lebenslang freundschaftlich verbunden. Im Kaukasus erlebte sie 1877/78 den Russisch-Türkischen Krieg hautnah mit – der Auslöser ihrer Kriegsgegnerschaft. Ihr Anti-Kriegsroman "Die Waffen nieder!" erschien 1889 und brach ein Tabu: Als Frau öffentlich der damals vorherrschenden Kriegsbegeisterung zu widersprechen forderte das gesellschaftliche Selbstbild ihrer Zeit heraus. Bertha von Suttner ermutigte Nobel, mit seinem Vermögen nicht nur wissenschaftliche Leistungen, sondern auch Friedensarbeit zu würdigen.

Sie war dann auch die erste Frau, die den Nobelpreis erhielt, jedoch erst 1905, vier Jahre nach seiner Stiftung. Danach kam 26 Jahre lang keine Frau mehr; insgesamt erhielten nur drei Frauen den Preis in den ersten 75 Jahren seines Bestehens. Der Gender Award Gap ist auch hier real: Männer werden im Vergleich zu Frauen deutlich häufiger sowie mit prestigeträchtigeren und höher dotierten Preisen ausgezeichnet. Zwar ist der Friedensnobelpreis mit 17,9% unter den Nobelpreisen noch die Kategorie mit dem größten Frauenanteil, aber ein repräsentatives Abbild der weltweiten Friedensarbeit ist er bei Weitem nicht. Dass Frauen so lange übergangen wurden, hat strukturelle Ursachen: Das fünfköpfige Norwegische Nobelkomitee war lange Zeit männerdominiert – und männlich geprägte Entscheidungsgremien neigen nachweislich dazu, Männer zu bevorzugen. Auch die Nominierungspraxis trägt dazu bei. Da vor allem Parlaments- und Regierungsmitglieder, ausgewählte Professor:innen sowie ehemalige Preisträger:innen nominieren dürfen, wird oft aus einem bestehenden Netzwerk ausgewählt, was es Frauen schwerer macht, in den Pool der Kandidat:innen vorzudringen.

Friedensarbeit ist dabei keineswegs männlich konnotiert; im Gegenteil waren Frauen in Friedens- und Menschenrechtsbewegungen schon immer aktiv. Ihrem Engagement wurde in den patriarchalen Strukturen des frühen 20. Jahrhunderts allerdings kein großer Wert beigemessen. Denn was als friedenswürdig gilt, ist nicht neutral. Nach dem lange vorherrschenden engen, "negativen" Friedensbegriff – Frieden als bloße Abwesenheit von Krieg – galten vor allem Diplomatie und zwischenstaatliche Abrüstung als anerkennenswert: Felder, aus denen Frauen historisch ausgeschlossen waren. Aspekte des "positiven" Friedens, der Gerechtigkeit, Menschenrechte und Sicherheit vor Gewalt einschließt – sichtbar etwa in Graswurzelarbeit und Frauenrechtsbewegungen – galten dagegen nicht als relevant oder prestigeträchtig; Bereiche, in denen Frauen stark vertreten sind. Den Preis erhielten daher Staatschefs, Diplomaten und Politiker. Verstärkt wird dies durch eine Tendenz des Nobelpreises zu westlichen Werten und Machtstrukturen. Als friedensstiftend gilt, was sich an westlichen Vorstellungen von Staatlichkeit, Verhandlungen und Institutionen orientiert, während Widerstands- und Be-freiungsbewegungen im Globalen Süden seltener diese Anerkennung erhalten, selbst wenn sie ähnlich wirkungsvoll sind. Frauen aus dem Globalen Süden sind damit doppelt benachteiligt durch Geschlecht und Herkunft. Angesichts des kolonialen Erbes und des wirtschaftlichen und geopolitischen Einflusses des Globalen Nordens, die viele der dortigen Konflikte erst verursacht haben und weiterhin befeuern, erscheint dies besonders tragisch.

In den 1970er Jahren begann sich langsam etwas zu verändern. 1976 wurden zwei Frauen ausgezeichnet, die sich der Graswurzelarbeit verschrieben hatten. Betty Williams und Mairead Corrigan gründeten angesichts der Schrecken des Nordirlandkonflikts das Northern Ireland Peace Movement. Sie organisierten Friedensmärsche, mobilisierten insbesondere Frauen und betonten die Bedeutung des Dialogs. Zwar dauerte es noch 22 Jahre bis zum Karfreitagsabkommen (im Übrigen mitverhandelt von zwei Frauen, Monica McWilliams und Pearl Sagar), doch der Grundstein war gelegt.

Es gibt Kritik, der Friedensbegriff aus Nobels Testament sei nun einmal eng – allein, er wird den Bedrohungen des 21. Jahrhunderts (Klimawandel, digitale Kriegsführung, hybride Konflikte) nicht mehr gerecht. Seit Anfang der 2000er Jahre legt das Nobelkomitee nun den positiven Friedensbegriff verstärkt zugrunde. So gewannen seitdem etwa Shirin Ebadi (2003) für ihren Einsatz für Demokratie und Menschenrechte im Iran, Wangari Maathai (2004) für Umweltaktivismus in Kenia, 2011 ein Frauen-Trio um Ellen Johnson Sirleaf, Leymah Gbowee (Liberia) und Tawakkol Karman (Jemen) für ihren Kampf um Sicherheit und politische Beteiligung von Frauen sowie Malala Yousafzai (2014) aus Pakistan, geehrt für ihren Einsatz für das Recht auf Bildung. Auch wenn dem Komitee strenggenommen die Legitimation für eine Erweiterung des Friedensbegriffs fehlt, nützt sie doch der Sichtbarkeit und Anerkennung weiblicher Friedensarbeit.

Wie sehr strukturelle Ursachen die geringe Zahl an Preisträgerinnen bedingen, zeigt eindrücklich die Initiative der "1000 Peace Women". 2005 gelang es der Schweizer Kampagne nach zweijähriger Vorarbeit, 1000 Frauen gemeinsam für den Nobelpreis zu nominieren – Bekannte wie Unbekannte, viele davon aus dem Globalen Süden. Die Initiative machte Frieden als zivilgesellschaftliches, kollektives (Frauen-)Projekt sichtbar, und adressierte damit direkt die problematischen Strukturen. Es gewann zwar Mohamed El Baradei und die Internationale Atomenergiebehörde, doch die über 2000-seitige Dokumentation der Initiative bleibt ein beeindruckender Beleg der weltweiten Frauenfriedensarbeit. Aus der Initiative entstand die Nachfolgeorganisation "Peace Women Across the Globe", die sich bis heute dafür einsetzt, dass Frauen stärker in Friedensverhandlungen einbezogen werden.

Und das aus gutem Grund. Die Forschung zeigt, dass Friedensverhandlungen unter Mitwirkung von Frauen nachweislich bessere und nachhaltigere Ergebnisse erzielen, aber noch sind Frauen in offiziel-len Prozessen eklatant unterrepräsentiert. Schon Bertha von Suttner musste sich gegen die gesell-schaftlichen Konventionen ihrer Zeit behaupten, um mit ihrem Kampf für den Frieden Gehör zu wer-den – in einer Epoche der Militarisierung, wie wir sie heute erneut erleben. Ihr Vermächtnis ist des-halb aktueller denn je: Friedensarbeit von Frauen ist unverzichtbar und sie verdient Anerkennung.

https://www.friedensdekade.de/wp-content/uploads/2026/02/Bertha-von-Suttner-Folge1-Frauen-Frieden.pdf 

https://www.nobelprize.org/prizes/peace/1976/summary/ 

https://www.nobelprize.org/prizes/peace/ 

https://www.innovative-frauen-im-fokus.de/infopool/themen-im-fokus/erklaerungsansaetze-zum-gender-award-gap/ 

https://www.innovative-frauen-im-fokus.de/infopool/daten-und-fakten/gender-award-gap/frauenanteil-nobelpreis/ 

https://blogs.fu-berlin.de/fkfkollektiv/files/2020/11/Friedensnobelpreis.pdf 

https://1000peacewomen.org/de 

>>>zurück

Aktions- und Feiertage im Mai

1. Mai  Tag der Arbeit

5. Mai  Internationaler Hebammentag (1990 vom Int. Hebammenkongress proklamiert)

6. Mai  Christi Himmelfahrt

9. Mai  Europatag der Europäischen Union (Robert Schumann unterbreitete am 9. Mai 1950 seinen Vorschlag, die Kohle- und Stahlindustrie in Frankreich und Deutschland einer gemeinsamen obersten Behörde zu unterstellen. Der Schumann-Plan gilt als ein Grundstein der heutigen Europäischen Union)

15. Mai  Internationaler Tag der Familie

16./17. Mai  Pfingsten

23. Mai  Jahrestag der Verkündung des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland -1949-

27. Mai  Fronleichnam

29. Mai  Internationaler Tag des Friedenssicherungspersonals der Vereinten Nationen