November 2027 | Den Haag 1915
Wie Frauen mitten im Krieg für den Frieden kämpften

Frauen setzen sich schon lange für Frieden und gegen Krieg oder Waffen ein. Hier soll ein Blick auf den ersten internationalen Frauenfriedenskongress in Den Haag 1915 und den Frauenfriedenskongress in Zürich 1919 geworfen werden.
Der Internationale Frauenfriedenskongress fand vom 28. April bis zum 1. Mai 1915 in Den Haag unter der Beteiligung von über 1.200 Frauen aus zwölf Ländern statt. Dabei kamen die meisten Teilnehmerinnen aus den Niederlanden, den für alle anderen war Reisen eine problematische Angelegenheit. Es war ja Krieg und zwar der 1. Weltkrieg. Umso bemerkenswerter ist es, dass Frauen aus den USA, Kanada, Dänemark, Deutschland, Belgien, Großbritannien, Italien, Norwegen, Schweden, Österreich und Ungarn nach Den Haag kamen. Aus Deutschland waren u.a. dabei Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann.
Auf dem Kongress ging es weniger um den aktuellen Weltkrieg als um eine grundsätzliche Position gegen Krieg. Neben dem Wahlrecht für Frauen, dass sie als unabdingbar sahen, politisch Einfluss zu nehmen und Kriege zu verhindern (vgl. auch die 3-R zur feministischen Außenpolitik) forderten sie u.a.: das Selbstbestimmungsrecht der Völker, Abrüstung, einen Schlichtungsgerichtshof für internationale Konflikte in Den Haag, eine demokratisch legitimierte Kontrolle der Außenpolitik als ein Mittel gegen die Geheimdiplomatie und eine auf Pazifismus zielende Erziehung.
Die Ergebnisse des Kongresses wurden dann durch Delegationen in verschiedene Länder gebracht und an die dortigen Regierungen übergeben. Den Krieg beenden konnten die Frauen allerdings nicht, er dauerte wie bekannt noch 3 Jahre.
Aus dem Kongress entstand das "Internationale Frauenkomitee für dauernden Frieden", das während der weiteren Kriegszeit sein Büro in Amsterdam hatte. 1919 benannte sich die Organisation in "Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit" (IFFF) / "Women’s International League for Peace and Freedom" um.
Im Jahr 1919 fand dann die zweite Frauenfriedenskonferenz in Zürich statt.
Ziel des zweiten internationalen Frauenfriedenskongresses war es, die Friedensverhandlungen nach dem 1. Weltkrieg im Sinne einer dauerhaften Friedenssicherung zu beeinflussen und dabei eine Ausweitung politischer und ziviler Frauenrechte zu erreichen. Friedenssicherung und die weltweite Ausweitung von Recht und Gerechtigkeit standen aus Sicht der Pazifistinnen in einem engen Zusammenhang. Daher ging es auf dem Kongress und den Forderungen der Frauen auch insbesondere um das Wahlrecht und die Gleichberechtigung. Auch zum Völkerbund und Umgang mit den Kolonien hatten die Teilnehmerinnen Grundsätze entwickelt – wären sie angenommen worden, hätten vielleicht einige Kriege verhindert werden können. Zum Thema Rassismus wurde leider keine Forderung aufgestellt, obwohl dazu auch diskutiert wurde. Zum Vertrag von Versailles gab es deutliche Kritik, die sich bestätigte und in den 2. Weltkrieg führte.
Die Netzwerkarbeit der Frauen mündete in das IFFF, den Prototyp einer NGO wie es Förster in dem Artikel "Friedensmacherinnen. Der Frauenfriedenskongress in Zürich 1919" nennt. Diese Organisation ist bis heute tätig und hat einen Beraterstatus bei den Vereinten Nationen.
Quellen und weiterführende Literatur:
Laura Schibbe / Annika Wilmers. Der Frauenfriedenskongress in Den Haag 1915 und seine Überlieferung. Die Frauenfriedensbewegung im Archiv der deutschen Frauenbewegung, erschienen am 17.04.2023. https://addf-kassel.de/publikationen/publikationen-der-mitarbeiterinnen/online-beitraege
Birte Förster: Friedensmacherinnen Der Frauenfriedenskongress in Zürich 1919. In Aus Politik und Zeitgeschichte, Bundeszentrale für politische Bildung. https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/288780/friedensmacherinnen
Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit ist die deutsche Sektion der Women’s International League for Peace and Freedom (WILPF), https://www.wilpf.de
Aktions- und Feiertage im November
1. November Allerheiligen
18. November Volkstrauertrag* (1952 wurde der Tag zum nationalen Trauertag erklärt und auf den 2. Sonntag vor dem 1. Adventssonntag festgelegt.)
18. November Buß- und Bettag
25. November Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen und Beginn der Orange Days oder 16-Tage Kampagne