Februar 2027 | Frauen auf der Flucht
Mut, Verlust und die Hoffnung auf ein selbstbestimmtes Leben

Der jährlich am 20. Juni stattfindende Weltflüchtlingstag, im Jahr 2001 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen, macht auf die Situation von Geflüchteten aufmerksam. Die zentrale Botschaft: Jeder Mensch, unabhängig von Herkunft oder Status, hat das Recht auf ein würdevolles Leben.
Nach Angaben des Global Trends Reports von UNHCR steigt die Zahl der geflüchteten Menschen weltweit kontinuierlich an – nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Konflikte und kriegerischen Auseinandersetzungen, wie beispielsweise in Afghanistan, Gaza, Iran, Libanon, Südsudan, Sudan, Syrien und der Ukraine. So waren im April 2025 rund 121 Millionen Menschen auf der Flucht. Allein 40 Prozent von ihnen waren minderjährig, als besonders betroffen gelten insbesondere Frauen und Mädchen (Stand: Juni 2026).
Gleichzeitig steckt die weltweite humanitäre Hilfe in einer schweren Finanzierungskrise. Die internationale Solidargemeinschaft droht zu zerfallen, drastischen Mittelkürzungen bei der UNO-Flüchtlingshilfe sind die Folge. Weltweit verlieren damit Millionen Flüchtlinge den Zugang zu lebenswichtiger Hilfe.
Die Auswirkungen auf flüchtende Frauen und Kinder sind verheerend. Sie sind extrem gefährdet, vergewaltigt oder anderweitig missbraucht zu werden. Sie verlieren den Zugang zu Hilfsmaßnahmen, die sie zuvor in Sicherheit gebracht haben. Kinder werden ohne Lehrkräfte und Schulen zurückgelassen, was sie in die Kinderarbeit, den Menschenhandel oder die frühe Verheiratung treibt. Für sie wird die Flucht nahezu unmöglich. Dazu kommen bürokratische Hürden für eine legale Aus- und Einreise. Flüchtende besitzen meist keine Geburtsurkunden oder Reisepässe. Traumatische Erlebnisse während der Flucht schwächen diejenigen, die es wagen, noch weiter.
Was gibt Frauen und Mädchen dennoch den Mut zur Flucht? Die Autorin Tina Ackermann hat geflüchtete und noch flüchtende Frauen behutsam gefragt, was sie erlebt haben. Manche können oder wollen ihr Leid nur knapp in Worte fassen. Es lässt sich nur erahnen. Andere erzählen ihre Geschichten, die mit der Sehnsucht nach Liebe, Freiheit und Selbstbestimmung zu tun haben. So vieles scheint für Frauen möglich, wenn erst die Flucht gelungen ist: sich scheiden lassen zu können oder zu selbst zu wählen, ob und wen sie heiraten möchten, lesbische Liebe zu leben oder auch zu spüren, was Respekt, Freiheit und Frieden ist. Viele Frauen, die für ein selbstbestimmtes Leben kämpfen, fürchten sich oft auch nach der Flucht vor Verfolgung und Rache.
Sie alle verdienen Solidarität, Mitgefühl und Respekt vor ihrem Mut und ihrer Stärke, wie Tina Ackermann es beschreibt:
Nie vergessen werde er den Tag, meint Eric, als ein Boot mit einer Gruppe Kurdinnen landete. Die Frauen wirken unerschrocken, solidarisch. Eric schloss sie sofort ins Herz und lud sie ein, ein paar Tage zu bleiben, um bei den Bootsrettungen zu helfen. "Sie waren großartig, hatten alles im Griff, obwohl ja auch sie Flüchtende waren. Wir haben viel zusammen gelacht. Überhaupt haben wir viel gelacht. Bei all den schrecklichen Erlebnissen haben wir wunderbare Menschen kennengelernt. Von Anfang an haben wir diese Menschen als ebenbürtig behandelt. Natürlich sind sie Betroffene. Dass sie es bis hier geschafft haben, beweist aber gerade ihre Stärke."
(Tina Ackermann: Frauen auf der Flucht. Wer sie sind und was sie erlebt haben. Rotpunktverlag Zürich 2022, S46)
Faktencheck: In Deutschland sank 2025 die Zahl der Asylgesuche erneut. Laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) haben 2025 insgesamt 113.236 Personen einen ersten Asylantrag in Deutschland gestellt, 55.307 Menschen stellten einen Folgeantrag. 101.606 Asylverfahren waren 2025 noch anhängig. 26.388 der Erstanträge im Jahr 2025 betrafen Kinder im Alter von unter vier Jahren. Die Zahl der Asylerstanträge von unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sank 2025 auf etwas mehr als einem Viertel der Antragszahl von 2024, auf 4.926. Die wichtigsten Herkunftsländer waren Syrien, Afghanistan, die Türkei, Somalia und der Irak.
Quellen:
https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/informieren/fluechtlingszahlen
https://www.jointdatacenter.org/activites/refugee-data-portal/
https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/informieren/mediathek/artikel/global-trends-2024-1
Presseinformation zum Weltflüchtlingstag am 19. Juni 2026 im Portal des Landes Niedersachsen: https://www.ms.niedersachsen.de/startseite/uber_uns/presse/presseinformationen/statement-des-niedersachsischen-integrationsministers-dr-andreas-philippi-anlasslich-des-weltfluchtlingstages-251794.html
Tina Ackermann: Frauen auf der Flucht. Wer sie sind und was sie erlebt haben. Rotpunktverlag Zürich 2022, https://www.frauenaufderflucht.ch/
Projekte der Vernetzungsstelle
Worte helfen Frauen. Übersetzungsleistungen für Frauen in Not. https://www.worte-helfen-frauen.de/
Gewaltschutz-Niedersachsen.de - Informationsportal